Mittwoch, 4. April 2012

Osterausflug 2012

Dieses Jahr haben wir die Woche vor Ostern für unsere Vespa Ostertour, dem Wetter geschuldet schon Anfangs der Woche gemacht. Da Nordbayern bereits ab Montag mit schlechten Wetter versorgt sein sollte aber für Südbayern und dem Alpenhauptkamm noch Sonne angesagt war, die meisten Alpenpässe bis auf Brenner, Jaufen und Reschen noch Wintersperre hatten, war wir uns über unsere Strecke schnell einig.

Montag: München - Brenner - Jaufen - Lana
Dienstag: Lana - Reschen - Fernpass - München

Unsere Topcases waren schnell gepackt, Susanne hatte eine tolle Brotzeit für den ersten Tag gemacht während ich kurz Luftdruck und Öl überprüfte. Gegen Montag Mittag ging es zuerst Richtung Tegernsee und dann Achenpass los. In München waren schon erste Wolken zu sehen, aber wenn Engel reisen ...
Frühling bei Piesenkam auf dem Weg zum Tegernsee

... bereits in Holzkirchen war bestes Frühlingswetter. Laue Frühlingsluft trug uns zügig voran. Bald hatten wir den Tegernsee erreicht. Da wir als Minifrühstück nur einen Cappucino hatten, war unser Hunger inzwischen entsprechend groß.

Tegernsee, Blick nach Süden beim Gut Kaltenbrunn
Daher war uns eine kleine Rast auf der Westseite des Sees beim Gut Kaltenbrunn sehr willkommen. Das heute, noch erhaltene Gut Kaltenbrunn steht auf den Grundmauern einer mittelalterlichen Burganlage und war in den späteren Jahrhunderten der größte Ökonomiehof des Tegernseer Klosters. Eigentlich sollte zu Beginn des 21. Jahrhunderts das archäologische Denkmal einem schicken Hotel Neubau weichen. Zum Glück konnte dieser Unsinn bisher verhindert werden.

Man hat von hier einen wunderbaren Blick über den See und kann selbst wie heute bei leicht diesigen Wetter die Kirchtürme des Klosters im Ort Tegernsee am Ostufer erkennen. Überall in den Seewiesen finden sich kleine Frühlingsboten.


Gestärkt und bestens gelaunt ging es nach einem Selbstportrait in Richtung Achenpass bzw. Achensee weiter. Bestes Wetter und fast kein Verkehr - wir flogen über die Straßen und durch das Mangfallgebirge.


Vorbei an Kreuth, dann über den Achenpass, mit 941 m über NN, keine wirkliche Herausforderung weder für unsere Mädels noch für uns. Fast am Ende der Straße am Achensee entlang liegt ein weiterer fast obligatorischer Haltepunkt für uns. Der Panorama Parkplatz am südlichen Achensee.

Heute bot sich uns am Achensee ein grandioses Bergpanorama






Das trübe Wetter haben wir in München zurück gelassen.

Schöner konnte das Wetter nicht sein! Waren wir froh, dass wir uns an diesem Tag bei trüben Wetter in München auf die Vespas geschwungen haben! Kurz nach dem Achensee führt uns der Weg  steil nach unten, nach Jenbach. Dabei geht es von gut 970 m NN auf 560 m NN ins Inntal in knapp 4 km Länge durch das Kasbachtal. Etwas südlich von Jenbach liegt auch das Turbinenhaus in dem aus dem vom Achensee herab schießende Wasser Strom gewonnen wird.

Am Kraftwerk vorbei folgen wir dem Sträßchen nach Schwaz und dann weiter auf der Bunmdesstraße bis zur Karlskirche bei Volders. Durch einen Torbogen im Gebäudekomplex der Kirche hindurch verlassen wir das Inntal in Richtung Süden und Brenner. Wir fahren dabei auf der östlichen, sonnigen Seite des Wipptals bis wir in Matrei die eigentliche Brenner Bundesstraße treffen die auf der westlichen Seite des Wipptals verläuft.

Kurz hinter Matrei tanken wir günstigen österreichischen Sprit, gut 25 €-Cent günstiger als vergleichbares in Deutschland. Aus einem Internetbeitrag wissen wir, dass die Jaufenpass Straße schneefrei sein soll. Trotzdem sind wir sehr gespannt. Wie schon den ganzen Tag, kommen wir bei wenig bis fast keinen Verkehr zügig voran.

Jaufenpass hat noch Nachtsperre zwischen 18 und 8 Uhr. 

Aber die Straße ist schneefrei und gut zu fahren. Wieder kaum Verkehr! Vor uns nicht! Hinter uns nicht! Nur ab und zu kommt ein Fahrzeug entgegen. Kurz nach 17 Uhr erreichen wir die Passhöhe des Jaufenpasses bei 2.094 mm über NN.

Jaufenpass, Blick nach Norden Richtung Sterzing, Anfang April 2012, schneefrei





Die Passhütte die die Gipfelstümer mit Kaffee und Kuchen versorgt, ist in diesem Jahr bereits in Betrieb und hat, wichtig für uns, an diesem Montag so spät noch auf. Wir freuen uns schon seit gut 100 km auf den Kuchen.

Wir sind die einzigen Zweiräder an diesem Spätnachmittag auf dem großen Parkplatz, auf dem sich im Sommer nicht selten hundert und mehr Mopeds, Roller nebst viel Autos um die dann zu wenigen Parkplätze rangeln.

Die Edelweißhütte ist immer gut für eine Kaffeepause ....

Die Kuchenstücke sind wie immer XXX-large und phantastisch gut. Für den uns besonders gut in Erinnerung gebliebenen Erdbeerkuchen ist es aber noch zu früh im Jahr.

.... und ein Stück Kuchen!
Unsere Sammlung von Jaufenpassfotos "Mit-Allen-Vieren" wurde noch um ein Exemplar erweitert. Hier sieht man wie viel Schnee in über 2.000 m Höhe Anfang April noch liegt.

Noch reichlich Schnee auf der Passhöhe
Da wir nicht wirklich wussten ob und wie die Nachtsperrung umgesetzt wird, es gib durchaus die Möglichkeit die Bergstraße quasi abzusperren, machten wir uns dann zügig auf den Weg nach Südtirol.



Übernachten wollten wir im Hotel Teiss in Lana bei Meran. Dieses nette Hotel kannten wir schon von früheren Fahrten nach Südtirol.

Hotel Teiss in Lana: Zuhause wie bei Freunden 

In Lana erwartet uns bereits der Chef des Hotels Teis lächelnd mit den Schlüsseln in der Hand und den Worten: "Im Herbst die Letzten und im Frühjahr die Ersten" - als wir das Hotel betreten um nach einem Zimmer zu fragen - wir hatten nicht reserviert oder angerufen. In Südtirol ist man als Gast immer willkommen und gerne gesehen.
Am nächsten Morgen kurz vor dem Start Richtung Reschen Pass
Nach einer angenehmen Nacht im Hotel ging es am nächsten Morgen nach einem üppigen Frühstück los in Richtung Meran und dann zum Reschenpass.

Die Straße nach Meran führt zwischen Weinbergen und Obstplantagen im Wechsel mit Wohn- und Gewerbebauten. Trotz der intensiven Bebauung und Nutzung der Landschaft hat sich Südtirol seinen Charme bewahrt. Auch nicht zu Letzt trägt die gerade beginnende Obstblüte dazu bei.
Auf der Straße in Richtung Meran beginnt gerade die Obstblüte
Auf der Hauptstraße hatten wir dann zum Teil dichten Verkehr aus Transportern, LKW, Wohnmobile und normalen Pkw. Trotzdem kamen wir zügig voran. Und das Wetter wurde viel besser als vorhergesagt. Von Regen keine Spur sondern Temperaturen um 20° und Sonnenschein. Wir waren nicht traurig darüber.

Schon von Weitem sieht man auf der Fahrt nach Norden in der Hochebene vor dem Reschen die weißen Mauern des Klosters Marienberg, eine Benediktiner Abtei hoch oben in Bergen.
Von weitem schon sieht man das Benediktiner Stift Marienberg
Das Kloster entstand bereits um 1200 ist heute noch ein Benediktiner Stift mit einem Konvent von 12 Mitgliedern. Neben der Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert, den eigentlichen Klostergebäuden gehört  auch ein Museum und einen Klosterladen zu dem großen Gebäudekomplex. Es gibt sogar eine Internetseite des Klosters mit viel interessanter Information zum Kloster, aktuellen Terminen und über das Klosterleben.
Benedektiner Abtei Marienberg

Auf der Hochebene vor dem Reschensee windet sich die Landstraße in langen Serpentinen zwichen kleinen Dörfern, nach Norden. Der eigentlich immer vorhandenen Wind, macht da heute auch keine Ausnahme und schüttelt uns und unsere Vespen immer wieder kräftig druch.
Auf der Hochebene vor dem Reschenpass sieht man den Bäumen die vorherrschende Windrichtung an.
Sehen kann man es an den Bäumen die vom Wind richtig geformt sind und kurz vor dem Reschensee an zwei riesigen Windrädern die sich kräftig drehen und Strom produzieren.
Kleine Pause auf der Hochebene vor dem Brenner
Trotz der zugigen Umgebung lohnt sich ein Halt und ein Blick in die umliegende Bergwelt. Hier der Blick nach Osten. Gerade im frühen Frühjahr sind die mit Schnee bedeckten Gipfeln immer ein wunderschöner Anblick den wir Beide immer besonders genießen.
Kurz vor dem Reschensee wurde dann in St. Valentin auf der Haide (San Valentino Alla Muta) eine kleine Kaffeepause im Café Franco zwecks Ver- und Entsorgung eingelegt. Eine der wenigen Bars, die um diese Jahreszeit überhaupt offen haben. Ein nette, schmucke Bar mit sehr guten Espresso, Tramenzine und heißen Toast. Das modern eingerichtete, helle Lokal lädt ein zum Verbleiben und bietet dem perfekten Anschein gerecht werdend auch blitz-saubere Toiletten. Mit etwas Überredungskunst konnten wir sogar eine komplette Packung der genialen Espressobohnen aus der Südtiroler Kaffee-Rösterei Schreyögg erwerben und über den Reschenpass schmuggeln.
Vom Ort Reschen hier der Blick zurück in Richtung Süden über den See. Dieses Mal war der Reschensee komplett leer. Nur in einigen aber durchaus großen Kulen war noch etwas Wasser zurück geblieben.

Irgendwie machte der leere See, wir haben ihn nur immer so erlebt, in den letzten Jahren immer einen seltsamen, fast gespenstisch, beängstigenden Eindruck, der von Mal zu Mal mehr morbide wird.

Österreich und Inntal

Dann ging es in zügiger Fahrt auf fast Menschen- und Autoleerer Straße in Österreich weiter nach Norden in Richtung Landeck. Nach einigen Serpentinen trifft die Reschenstraße bald zur linken Hand auf das Inntal und man kann ab und zu auf der anderen Flussseite die Engadiner Straße in der Schweiz sehen. Bei der St. Kajetans Brücke überquert man zum ersten Mal den Inn.

Auf der anderen Seite der Brücke mündet die Engadiner Straße aus der Schweiz kommend ein. Dann folgt man eigentlich immer dem jungen Inn. Mal direkt am Fluss, mal oben in den Bergen. Die gut ausgebaute Landstraße L65 führt einen zügig nach Landeck.
Hoch über den Inn führt die Landstraße uns nach Landeck
Schon aus der Ferne kann man im Inntal unten die Stadt Landeck sehen. Dahinter, links der Hohe Riffler mit 3.168 m Höhe der höchste Berg der Verwallgruppe, der über der Tiroler Stadt thront.
Die schön geschwungene Landstraße lädt zum Dahin-Gleiten und Kurven Schwingen ein. Viel zu schnell ist man in Landeck angekommen. Die Stadt kann man nicht umfahren, da muss man mitten durch das kleine und sehr geschäftige Städtchen durch.

Nach einigen Kilometern immer auf der Westseite des Inns entlang erreicht man Imst. Kurz nach Imst bietet sich ein schöner Blick auf das Wettersteingebirge und Mieminger Gebirge.

 

Fernpass - eine der wichtigsten Nord- Südverbindungen in der Römerzeit ...

... und auch heute. Kurze Zeit später führt uns die gut ausgebaute Straße zum 1.210 m hohen Fernpass. Der Pass zählt zu den meist befahrensten Alpenpässen der Ostalpen.

Wir hatten Glück und in Richtung Deutschland war an diesem Dienstag fast kein Verkehr. Allerdings in Richtung Süden zogen Riesen Brummis gefolgt von PKW Karawane und LKW Sattelschlepper mit anschließender PKW Kolonne u.s.w. talwärts. In den relativ engen Kehren Bergwärts muss man den Kapitänen der Landstraße schon reichlich Platz lassen. Für uns ist es kein Problem die Vespen eng durch die Kehren zu führen. Aber die Kapitäne der Landstraße die mit ihren 38 Tonnern mit 20 m Länge ballett-artig durch die Rechts-Kehren mit den engen Innenkurven hindurch tanzen benötigt mir schon Bewunderung und Beachtung ab. Da ist so ein Vespalein schon echt winzig wenn ein 38 Tonner in der Kehre Innen talwärts donnert und man mit 24 PS gleichzeitig bergwärts außenherum aneinander mit gerade noch mit 1m Abstand aneinander vorbei fährt.

Schon der vorrömische Bernsteinhandel soll über den Fernpass geführt worden sein und die Römer bauten 46/47 N. Chr. eine erste Straße die dann Via Claudia Augusta genannt wurde.
Vom großen Fernpass Parkplatz in Österreich auf der Nordseite des Passes hat man einen schönen Blick auf das Wettersteingebirge mit der Zugspitze, die sich ganz am linken Rand des Massivs befindet.
Wetterstein Massiv mit der Zugspitze ganz links
Man kann sogar die Gebäude auf dem höchsten Berg Deutschlands erkennen.
Zugspitze

 

Werdenfelser Land - die junge, wilde Isar

Dann fuhren wir weiter über Garmisch Partenkirchen Richtung Wallgau ins Werdenfelser Land. Wir wollten der jungen und wilden Isar zwischen Wallgau und Vorderiss einen Besuch abstatten. Die Straße die durch das Naturschutzgebiet führt ist eine private Mautstraße die den Bayerischen Forsten gehört, aber heute wollte niemand von uns die Maut kassieren.

Als schönen Abschluss unserer perfekten Tour hielten wir an unserem Lieblingsplatz direkt an der Isar und machten noch Mal eine kleine Pause. Susanne hatte uns in Lana im Hotel noch ein paar gute Brote gemacht auf die wir uns jetzt freuten.

Die Straße führt direkt ins das Naturschutzgebiet des Isar Oberlaufs. Die Isar zählt hier zu den letzten ursprünglichsten Alpenflüssen. Zwar wird der Isar eine Menge Wasser geklaut und in den Walchensee umgeleitet, trotzdem hat sich der Fluss seinen einzig artigen Wildfluss Charakter erhalten.

Eine wundervolle Landschaft. Der Fluss darf tun und tut was er will.

Aber es lohnt sich nicht nur ein Blick auf die großen Dinge sondern wieder mal auch ein Blick auf das Detail. Das leise Plätschern im nahen Wald hat mich an einen kleinen Wasserfall gelockt.


 

Tour-Zusammenfassung

Nach zwei Tagen hatten wir 573 km zurückgelegt. Unsere Mädels kamen wieder mal mit einem Verbrauch unter bzw. bei mir mit 3 l auf 100 km aus und hatten einiges brav an Höhenkilometer abgespult.

Wichtige Adressen:

Hotel Teiss 
Meraner Straße 5 
I-39011 Lana - Südtirol
Tel. +39 0473 561101
Internet: http://www.teiss.com

Jaufenpass
Internet: http://www.jaufenpass.eu

Benedikitinerstift Marienberg
Internet: http://www.marienberg.it

Café Franco
Via Venttori Veneto
(Hauptstraße, Richtung Norden auf der rechten Seite direkt vor der Post)
I- 39027 St. Valentin auf der Haide

Naturschutzgebiet Isar Oberlauf
Internet: http://www.lfu.bayern.de/geologie/geotope_schoensten/93/index.htm


1 Kommentar:

Robert Ostermeyer hat gesagt…

Vielen Dank für die schönen Ideen