Sonntag, 14. November 2010

Warum braucht man an der Vespa ein Saisonkennzeichen?

Immer wieder sieht man Vespen, andere Roller, Mopeds und Motorräder die ein Saison Kennzeichen haben. Meist dürfen diese Fahrzeuge nur im Zeitraum 1. April bis 31. Oktober auf den Straßen sein. Dieser Beitrag beschäftigt sich nicht mit der möglichen Geldersparnis während der Winterzeit, sondern zeigt was man tatsächlich mit einem Saisonkennzeichen verschenkt.

Während Norddeutschland an diesem Wochenende im Regen und Wassermassen versinkt, wurde bereits Donnerstag für Samstag und Sonntag für Südbayern und den Alpenraum Föhnlage und Temperaturen um die 20° vorhergesagt.Und dies Mitte November.

Susanne und ich wollten auch Freitag-Abends bei kaltem, regnerischen und typischen Novemberwetter noch nicht so recht an den Wetterumschwung, wenige Stunden später glauben. Also erst mal die Augen in der Nacht zu gemacht. Am Samstag Morgen: Blauer Himmel über München.

Nach kurzer Überlegung stand die Strecke fest:


Samstag:
München - Achenpass - Achensee - Inntal - Wipptal Ostseite - Brenner - Jaufen - Meran - Lana


Sonntag:
Lana - Reschenpass - Inntal - Fernpass - Zugspitze - Garmisch - Wallgau - Sylvensteispeicher - München

Also raus aus den Federn und unsere Mädels gesattelt. Natürlich hatten wir was heißes zum Trinken dabei und Susanne hat noch schnell eine kleine Brotzeit eingepackt, während ich Öl und Luft bei den Mädels prüfte.

Um halb zwölf waren wir unterwegs nach Südtirol. Die Föhnlage bescherte zwar schon etwas mildere und durchaus zweistellige Temperaturen, trotzdem war es gut kühl und wir beide froh um die lange Funktionsunterwäsche und unsere Gortex Jacken mit guten Winterfutter. Bei wenig Verkehr kamen wir zügig voran und nach gut einer Stunde und 40 Minuten hatten wir unseren Lieblingsparkplatz am Achensee erreicht. Inzwischen hatten wir richtig Hunger und das heiße Fruchtschorle und die Brotzeit wurden mit Wonne verspeist.

Bester Blick über den winterlichen Achensee. Die großen Personenschiffe ruhten bereits unter riesigen Schutzhüllen ans Land gebracht. Aber obwohl bereist alle Laubbäume sämtliches Laub verloren hatten, boten die Lärchen mit Ihren braunen Nadeln im Winterkleid farbige Kleckse in der Berglandschaft. Alles gekrönt von den überzuckerten Berggipfeln, denn es hat schon bis runter auf 800m Höhe in den letzten Wochen geschneit.

Nach über 20 Minuten ging es weiter zur nächsten Tankstelle, denn unser Mädels waren durstig und freuten sich auf günstigen Österreich Sprit: € 1,22 pro Liter Super.

Dann ab ins Inntal, durch Schwaz hindurch und kurz danach rauf ins Wipptal. Wie meistens nahmen wir die Sonnenverwöhnte Ostseite. Und auch dieses Mal tauchte die Sonne alles in wunderschönes Licht und spendete willkommene Wärme. Erst bei Matrei erreichten wir dann die Brenner Landstraße auf der Westseite des Wipptals. Hier kurz vor dem Brenner war es drastisch kühler. Auf der italenischen Seite wurde erst Mal aufgerüstet. Für mich dicke Socken und Susanne gönnte sich eine zusätzliche Jacke unter der Motorrad Jacke.

Auch hier kaum Verkehr und in wenigen Minuten hatten wir Sterzing erreicht. Obwohl wir ja inzwischen den Alpenhauptkamm überquert hatten, gab es entgegen unserer Befürchtung von Nord-Föhnbedingten Schlechtwetter in Italien, richtiges Traumwetter.

Wir beeilten uns vor 16 Uhr die Passhöhe zu erreichen, da wir befürchteten, dass der Hüttenwirt der Passhütte die Türe vor der Nase zu sperrt.



Oben in 2.094 m angekommen, waren wir weit und breit die einzigen die sich hier herauf gewagt hatten. Kaffee und Kuchen sind leider ausgefallen, da die Hütte schon vor Wochen geschlossen wurde.



Aber unser mitgebrachter Espresso in der kleinen Thermoskanne half auch ganz gut bei 4° Celsius.



Jetzt kurz nach 16 Uhr tauchte die untergehende Sonne die ganze Bergwelt in ein weiches, rötliches Licht und malte uns ein wunderschönes Abendrot an den Himmel, welches im schönen Kontrast zu den weit unten liegenden Nebel- und Wolkenbänken lag.


Bei der Abfahrt Richtung Meran / Lana mussten wir nur gut aufpassen da die wenige befahrene Straße ab der Baumgrenze ab und an mit ziemlich glitschigen Lärchennadel bedeckt war. Aber wir hatten bis runter auf gut 700 Höhenmeter in Sankt Leonhard gutes Licht und deshalb auch keine Probleme.

Die weitere Straße nach Meran war ein Traum zu fahren. Viele schön geschwungene Kurven reihten sich aneinander und da kaum andere Verkehrsteilnehmer da war, erreichten wir nach kurzer Zeit Meran und dann Lana wo wir im Hotel Teiss übernachteten. Das Hotel Garni ist ein netter Familienbetrieb, sehr freundlicher Empfang. Natürlich durften unsere Damen kostenfrei in der Garage schlafen.

Am Sonntag Morgen ging es nach gutem Frühstück dann zurück über den Reschenpass. Am Morgen in Lana war es kühl mit ca. 12° Celsius und durch Hochnebel leicht trüb und grau. Aber je näher wir dem Reschen und damit nördlicher zum Alpen Hauptkamm kamen und je höher wir kletterten um so schöner, föhniger wurde das Wetter.


Dieses Mal bot uns der alte untergegangene Kirchturm des alten Dörfchens Graun im Reschensees das erste Mal in diesem Jahr einen sehenswerten Anblick. Wir waren dieses Jahr schon einige Male hier vorbei gekommen, aber entweder waren viele Touris direkt am Parkplatz des Turms unterwegs oder der Wasserstand war so niedrig, dass es kein schöner Anblick war.

Dieses Mal aber lohnte sich der Halt an dem völlig verwaisten Parkplatz.


Man muss wissen, dass sich an diesem Ort in Ende der dreißiger bzw. vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch Zwangsenteignung durch die faschistische Regierung Italiens eine menschliche Tragödie abgespielt hat. Die damaligen Bewohner des Dorfes Graun wurden vertrieben, zwangsweise in eine Barackensiedlung umgesiedelt und die Häuser des ganzen Dorf gesprengt und dem Erdboden gleichgemacht. Lediglich den Kirchturm lies man stehen. Müßig zu erwähnen, dass die Bewohner bzw. Besitzer weder eine Entschädigung noch andere Unterstützung erhielten.

Heute erinnert ein Diarama, ein Modell des alten Dorfes an dieser Stelle an die Vorgänge im zwanzigsten Jahrhundert. Hier ein Link zu einem lesenswerten Bericht mit vielen historischen Bildern des alten Dorfes. Der Bericht beschreibt wie aus den ehemals drei Seen im Talgrund Reschen, Graun- oder Mittersee und dem Haidersee zwei Seen wurden: der riesige, künstliche aufgestaute Reschensee und der verbliebene Haidersee.


Es fällt schwer an diesen heute wirklich beschaulichen, ja idyllischen Ort sich diese Tragödie vorzustellen. Man hat vom Parkplatz aus einen herrlichen Blick über die Hochebene, die umgebenden Berge die wie überall auf unserer Tour bereits mit Schnee bedeckt waren bis hin nach Norden zum Ende des Sees, wo heute das Dörfchen Reschen sich schön in die warme Mittagssonne schmiegt.


Natürlich wollte Victoria, Susannes Vespa auch mit auf Bild und am Ende musste auch noch ein Schnapschuss von Susanne und mir her. Mit etwas Übung ist uns nach einigen Versuchen gelungen, die Hauptakteure mehr oder weniger gerade auf das Foto zu bringen.


Und wie man es schafft mit der Vespa über das Wasser zu fahren?

Hier am Reschensee vom dem richtigen Standpunkt aus, ist es fotografischen eben gar kein Problem, diese Illusion zu erzeugen.

Da wir zu Letzt Österreichischen Sprit am Achensee getankt hatten, beschlossen wir nach gut 300 km in Imst zu tanken. Allerdings bewahrheiteten sich Susannes Befürchtungen, dass bei der JET am Achensee die Pumpen sehr früh abgeschaltet haben. Carla, meine rote Lady war dann kurz vor Landeck nach gut 280 km trocken und ich froh um meinen Freund. Den Fuel-friend! Der halbe Liter Sprit  und mein Garmin führten mich sicher zu der Jet Tankstelle in Landeck, wo es weit und breit in Tirol mit 1,172 € weit und breit den billigsten Sprit gab.


Nach dem unsere beiden Damen gut zu trinken hatten, suchten wir auf der Strecke zwischen Landeck und Imst einen guten  Rastplatz, was uns auch problemlos gelang.


An einer Berg-Auf Strecke zwischen Landeck und Imst mit Blick auf die Silberspitze gab es einen schönen Parkplatz direkt über dem Inn und der daneben liegenden Autobahn


Jetzt wurde erst Mal für das leibliche Wohl der Pilotin und des Piloten gesorgt. Die Mädels hatten ja gerade was bekommen.


Vom Rastplatz aus hatte man eine Supersicht. Nach Osten konnte man das Inntal bis Imst überblicken ...


.... nach West zurück konnte man bis Landeck sehen


Nach gut 30 Minuten, einer Brotzeit mit Kaffee ging es weiter Richtung Imst und Fernpass.


Hier im Inntal gab es nur wenig Verkehr, später den Fernpass hinauf nahm auch der Verkehr zu und trotz des obligatorischen Reisebusses kamen wir zügig voran.

Kurz vor Garmisch mit Blick auf die Zugspitze machten wir noch Mal Halt. Hier hatte der Föhn die Temperatur schon bis 20° ansteigen lassen.

Dann ging es zügig über Wallgau und den Sylvensteinspeicher nach Hause.

Eine schöne zwei Tages Tour mit insgesamt 567 km.



Wichtige Adressen unserer November Südtirol Tour:

Hotel Teiss 
Meraner Straße 5 
I-39011 Lana - Südtirol
Tel. +39 473 561101
Internet: http://www.teiss.com

Jaufenpass


Informationen zur Reschensee Tragödie
Internet: Bericht Reschensee Tragödie

Kommentare:

Vespa Forum hat gesagt…

Schöner Bericht den Ihr da zusammen geschrieben habt. Euch weiterhin gute sichere Fahrt.

Steve Williams hat gesagt…

Mein Deutsch ist nicht sehr gut.

Eine schöne Fahrt durch die Alpen. Ich kann kaum mich vorstellen, wie viel Spaß Sie zwei hatten. Eines Tages hoffe ich, nach Deutschland zurückzukommen und einen Vespa durch die Berge zu reiten. Am Sommer!

Danke für das Teilen dieser Geschichte.

Steve Williams
Scooter in the Sticks

sergeibelski hat gesagt…

Beautiful Photos!

greatone hat gesagt…

Hello Steve!

Thank you for your comment! Your German is very well. Whenever you are going to come for a ride in the Alps, make a stop in Munich.

Don't hesitate to ask for help if you need any support for realizing your trip.

By the way I like very much your blog.

Ewald

greatone hat gesagt…

Hello sergeibelski!

Thanks for the compliment.

Ewald

Anonym hat gesagt…

Schöne Tour,werde ich meiner gts 300 dieses Wochenende auch gönnen