Montag, 23. August 2010

Ein unmöglicher Vergleich: Vespa GTS vs. Beverly Cruiser

Vorab: eine Vespa ist unvergleichlich.
Da vielleicht auch andere GTS-Fahrer vor der Entscheidung zu mehr Leistung stehen, versuche ich hier mal die Unterschiede rauszustellen.

Das Hauptmerkmal der Vespa ist die große Wendigkeit. Kein Fahrzeug läßt sich einfacher mit dem Popo lenken. Das bedeutet auch die große Freiheit im innerstädtischen Verkehr. Slalom durch den Stau, Wenden fast im Stand usw. Die Nachteile dieser kompakten Bauweise erfährt man außerhalb der Stadt bei höherem Tempo. Die kleinen Felgen, die vordere Monoschwinge und die klein dimensionierten Bremsen bringen die Vespa schnell an die Leistungsgrenzen, sei es die Höchstgeschwindigkeit von ca. 120 km/h oder die begrenzte Schräglage in Kurve.


Die Beverly Cruiser von Piaggio unterscheidet sich optisch nicht dramatisch von der Vespa.  









Viele Stilelemente wie Handschuhfach, Helmfach, Sitzposition, zentrale Lampe am Lenker usw. wurden auf den modernen Rahmen übertragen, selbst der obligatorische Gepäckhaken fehlt nicht.



Der Lenker erinnert an die unverkleidete GTV, wobei hier konsequent auf digitale Anzeigen verzichtet wurde. Übrigens auch auf die Uhr, die fast jeder Beverlyfahrer analog nachrüstet.


Den Nachteil dieser Chromorgie sieht man übrigens auch gleich auf dem Bild: das blendet bei Sonne ganz ordentlich.

Das Handschuhfach ist geteilt und durchaus geräumig.
An zentraler Position die Notöffnung der Sitzbank und die Öffnung der Tankklappe - rechts die Bedienung der nachgerüsteten Griffheizung.

Der Tank ist - wie zwischenzeitlich bei vielen Zweirädern - tief eingebaut um so einen niedrigeren Schwerpunkt zu erzielen. 13 Liter Inhalt, von dem  3 Liter als Reserve angegeben werden. Unter dem Strich ermöglicht das die gleiche Reichweite der GTS.
Für mich ein Vorteil, da so Kindersitz oder Gepäck einfach auf dem Rücksitz verzurrt bleiben kann beim tanken.
Die gestreckte Karosserie samt tieferen Schwerpunkt dürften schon die wichtigen Punkte für eine satte Straßenlage auch bei höheren Geschwindigkeiten sein. Natürlich auch das Fahrwerk.
Das zeigt ganz anschaulich, welcher Quantensprung für eine höhere Geschwindigkeit bei der Vespa (120 vs 160 km/h) nötig wäre. 16 Zoll, zwei Stoßdämpfer und ordentlich dimensionierte 260 mm Doppel- Bremsscheibe. Das Bremsschlauch-Gewirr stammt von der Kombibremse, so bremst der linke Hebel Hinter- und Vorderbremse.

Hier noch eine rostfreie Alternative zum Vespa-Auspuff und 14 Zoll-Rad

Ein solider Gepäckträger, der mit wenigen Schrauben die Gepäckbrücken von Givi oder Hepco Becker aufnimmt

Eine - wie ich finde - vespatypische Kaskade und die Erkenntnis, daß man bei frisch geputztem Roller mit viel Chrom keine grellen Farben beim fotografieren tragen sollte :-)



Zu den Fahreindrücken: Der 500er Piaggio Master Motor ist rauer und rüttelt bei niedrigen Geschwindigkeiten schon merklich. Die serienmäßige Variomatik ist auf höhere Geschwindigkeiten und den Durchzug ausgelegt. Das führt zu einem eher träger wirkendem Fahrverhalten in der Stadt. Erste Ampelduelle belegen zwar das Gegenteil, aber die GTS dürfte noch ein Wenig spritziger und schneller im Anzug sein. Die Wendigkeit der Vespa fehlt, wobei die Beverly noch Welten wendiger ist als manches Motorrad. Die wirkliche Stärke ist die Beschleunigung so ab 80 km/h, die ruhige Straßenlage und natürlich die höhere Endgeschwindigkeit.

Mein erstes Fazit: die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Die Beverly ist für mich aber ein super Kompromiss zwischen dem Rollerfeeling einer Vespa und dem ausgewogenen Fahrverhalten mit höheren Geschwindigkeiten eines Motorrades.


Hubraum: 493 cm3
Leistung: 29,0 kW bei 7.500 U/min
Drehmoment: 44,0 Nm bei 5.250 U/min

Kommentare:

greatone hat gesagt…

Hallo FritzFreizeit!

Deine Beverly?

Hast Du tatsächlich schon zugeschlagen?

Da bin ich mal sehr gespannt, mit was Du nach Kühedorf kommst.

Mich würden das Cockpit noch interessieren. Hast Du ein Foto vom Cockpit in groß? Was bedeutet die Uhr in Analog nachrüsten? Kann man sich das aussuchen?

Übrigens die verwendete Griffheizung von Daytona ist sehr gut, viel hochwertiger als die Saito. Nur die Regelung ist ein Scheiß.

Die hat 3 Stufen:
* AUS
* Zu kalt
* Zu Heiss

Wenn es Dich eines Tages nervt, kannst Du für kleines Geld was nachrüsten: http://www.mccoi.de/

Baue ich Dir auch gerne zusammen.

greatone

Susanne hat gesagt…

Ich finde die Beverley auch sehr interessant, vor allem wegen der größeren Räder und des besseren Fahrwerks.

Stimmt es wirklich, dass sie vorne 16" und hinten 14"-Räder hat oder hast du dich da nur verschrieben?

Gibt es das Schätzchen eigentlich auch mit ABS?

Fritz Freizeit hat gesagt…

16/14 Zoll ist richtig. ABS wie bei Piaggio verbreitet Fehlanzeige :-(

Myriam hat gesagt…

Schöner Bericht mit aufschlussreichen Details. Ich habe mir vor 6 Wochen die Beverly gekauft und bin total glücklich! Nur die von meiner vorherigen Vespa LX50 gewohnte Uhr vermisse ich schmerzlich. Wo bekommt man so eine Uhr wie hier im Bild zu sehen? WIe ist sie befestigt?

Gruß vom Niederrhein,

Myriam & Beverly

Anonym hat gesagt…

Lange ging der Link zu den Vespamenschen nicht. Erst heute wieder mal drauf gekommen.
Die Klett- oder Schraubuhren oder auch Thermometer gibt es bei den bekannten Zubehörhändlern Tante Louis z.B.

Ich habe mir dann für den Stadtverkehr noch eine kleine Vespa ET4 zugelegt. Ist doch in der Stadt wendiger und Kurzstrecke ist auf Dauer auch keine Lösung für die Berverly :-)

LEADer hat gesagt…

Hallo Leute,

Ich bin auch stolzer Besitzer dieser Schönheit. Mitterlweile knapp 2,5 Jahre mit etwas über 18.000 km. Jedoch macht die Zündspule/Zündanlage in letzter Zeit massive Probleme. Leider schon ausserhalb der Garantie :-/

Hat jemand ähnliche Probleme? Möglich das ich ein Montagsmodell erwischt habe, aber normal kann das nicht sein. Anonsten ist der Rest top, bin wunschlos glücklich und ein Fahrzeugwechsel kommt selbst mit diesem großen Problem nicht in Frage :-)

Grüsse aus NÖ

Matthias