Montag, 7. Juni 2010

Reschenpass - Meran - Timmelsjoch

Meine Kindheitserinnerungen an Urlaub fangen irgendwo in Südtirol bei Meran auf einem Bauernhof an. Da war ein Ford Taunus 17m, Andreas Hofer, Raketen mit denen man versucht hat Gewitterwolken zu vertreiben, Haflinger, Dolomiten und Timmelsjoch auf einer Rückfahrt von Meran mit 1m Schnee im August. 

Für mich als Fünfjähriger war es ein echtes Abenteuer hoch droben in den Bergen an der damals wirklich einsamen Grenzstation zwischen Italien und Österreich im Schneegestöber im August unterwegs zu sein.

Die Grenze ist inzwischen genauso schon Geschichte wie der damalige mausgraue Ford Taunus 17m meiner Eltern. Aber seit Susanne und ich Vespa fahren, wollte ich in jeden Fall mit unseren Mädels über diesen Pass. Und unsere anderen alpinen Abenteuer waren quasi die Vorbereitung oder wenn man will auch einfach die Variante die Wartezeit bis zum Ende der Wintersperre eines der höchsten Pässe in unserer Gegend abzuwarten. Am 1. Juni 2010 war dann die diesjährige Wintersperre aufgehoben. Und wir brauchten nur noch passendes Wetter und Zeit.

Samstag, 5. Juni 2010 starteten wir am Vormittag von Neubiberg aus. Da an diesem Wochenende die Pfingstferien zu Ende gingen, beschlossen wir in Richtung Süden nach Meran über den Reschen zu fahren und am Sonntag dann das Timmelsjoch zu überwinden.

Freitag Nacht wurde die Strecke über Bad Tölz, Sylvensteinspeicher, Garmisch, Fernpass, Reschenpass nach Meran, zurück über das Timmelsjoch, Kühtai, Inntal, Zirler Berg, Sylvensteinspeicher geplant und noch über das Internet eine nette Pension ausgesucht und ein Zimmer reserviert.

Kurz vor Elf Uhr, Samstag Vormittag starteten wir dann unsere zweite Fahrt nach Südtirol in diesem Jahr.

Auf der Staumauer des Sylvensteinspeichers

Nach nicht ganz 90 Minuten Fahrt konnten unsere beiden Vespadamen von der Staumauer weit ins Isartal schauen. Aber sie mussten bald wieder los schnurren und so folgten wir zuerst dem Sylvenstein Speichersee und dann der Isar aufwärts.


Bei Vorderriß wechselt wir die Flussseite und folgten der mautpflichtigen Straße nach Wallgau.

Mit drei Euro Mautgebühr ein nicht sehr teures aber ein lohnendes Vergnügen.

Auf Grund der heftigen Regenfälle in den letzten Wochen führte die Isar beträchtliche Wassermassen und wir konnten bei einer Pause die hier noch sehr ursprüngliche Isar betrachten. Hier die Mündung des Rißbaches in die Isar bei Vorderriß.


Bestes Wetter, tiefblauer Himmel! Was will man mehr für so einen Tourbeginn?

Blick zurück auf die bei Bikern sehr beliebte Wirtschaft in Vorderriß. Ein Ort der glaube ich nur aus dieser Gasstätte, der Brücke und dem Mauthäusel besteht. Dieser Teil der Isar gilt als einer der letzten Bereich eines ursprünglichen und unverbauten Gebirgsflusses in Deutschland.


Die Isar ist sich hier noch völlig sich selbst überlassen und darf so richtig im Sand spielen. Wobei es eher richtige Kieselsteine und große Felsstücke sind.



Sowohl die Isar als auch der Rißbach sind bei Kajakfahrern sehr beliebt.


Am Ende der Mautstraße hat man dann einen tollen Überblick über das obere Isartal, mit Blick nach Westen auf das Karwendelgebirge, im Vordergrund das Städtchen Wallgau das zum Werdenfelser Land gehört.

Panorama des Werdenfelser Landes. Mit einem Klick zur großen Ansicht!

Wir setzten unsere Route nach Westen in Richtung Garmisch-Partenkirchen fort. Kurz vor Garmisch gab es dann einen phantastischen Blick auf die Alpspitze. Mit 2.628 m Höhe zwar nicht der höchste Gipfel im Wettersteingebirge aber der schönste.


Von Garmisch aus ging es in Richtung des 1.210 m hohen Fernpasses. Eine schöne Strecke, mit wenig Verkehr, so dass wir zügig vorankamen.

Im Laufe der Woche war es in München so kalt gewesen, dass wir gezwungen waren noch gelegentlich zu heizen. Und jetzt am Wochenende wurden wir quasi in den Sommer katapultiert. 30° und mehr in den Tälern. Da waren wir um die kühleren Temperaturen in den Bergen oder auch Wälder doch sehr dankbar.

Und beim Tanken, wurden die Schattenplätze bevorzugt, egal ob es da schöne Autobildchen gab oder nicht.

Nach dem Fernpass ging es eine ganz Strecke in flacheren Gefilden voran. Nach Landeck gab es dann aber wieder kurvige Bergstrecken.

Auf dem Weg zum Reschen, Blick zurück ins Inntal.

Und unsere beiden Italienerinnen waren schon ganz aufgeregt gleich wieder heimatlichen Asphalt unter den Rädern zu haben,


Oben auf dem Reschen in 1.504 m Seehöhe angekommen bot sich uns ein wirklich geniales Landschaftsszenario rings um das Dorf Reschen und dem Stausee Reschen.
Der Stausee wurde 1948 bis 1950 angelegt. Dabei wurden Teile des Dorfes Reschen und das Dorf Graun vollständig überflutet. Der heute noch aus dem See ragende Kirchturm, ein beliebtes Fotomotiv ist das einzige Gebäude von Graun welches nicht vor der Überflutung geschleift wurde.
Panorama des Reschenhochtals
Bei unserem Besuch war der See fast leer und weder er selbst, noch der Turm in einer Art künstlichen Bucht boten einen schönen Anblick. Deshalb hier ein Foto des wikipedia Autors Markus Bernet von dem Kirchturm aus dem Jahr 2004
Foto: Markus Bernet

 Blick zurück in Richtung Norden auf das Dorf Reschen mit leerem Reschensee.

Inzwischen waren wir ja schon fast 6 Stunden unterwegs und nach gut 240 km lagen noch 60 km vor uns, bis wir unser vorbestelltes Quartier in Meran in der Pension Monika erreichten.
Dort angekommen, wurden wir sehr herzlich von Chef und Chefin begrüßt, als wären wir nicht das erste Mal da sondern alte Freunde. Selbstverständlich wurde uns sofort kühle Getränke angeboten, die auf das Haus gingen. Das große sehr schöne und sehr helle Zimmer, mit modernstem Bad und genialen Ausblick war mit etwas über € 60 attraktiv günstig und kann man nur empfehlen.

Blick aus unserem Zimmer in der Pension Monika
In einem Gasthof in der Nähe haben wir dann auf der Terasse ein schönen Abend verbracht, bevor wir gut müde ins Bett gefallen sind.



Sonntag - schönes Wetter - Berge! Glaubt mir wir waren nicht die einzigen. Nein eher, ehrlich berichtet zog sich von Meran an in Richtung Timmelsjoch eine Kette von Mopeds, Enduros, Cruisern, Hondas, BMWs, Harleys und zwei Roller. Alle schraubten sich in die Berge und wollen die 2.500 Höhenmeter erklimmen.


Und die Südseite zum Timmelsjoch von Meran aus und noch besser etwas später von St. Leonhard im Passeirtal aufwärts ist landschaftlich ein Traum und man fährt durch schattige Bergwälder bergauf, so dass selbst große Hitze als sehr angenehm empfunden wird.


Eine wunderschöne Landschaft die auch immer wieder tolle Ausblicke von der Passstraße aus gestattet.


Auf halber Strecke zwischen Sankt Leonhard und dem Passgipfel nutzen wir einen kleinen Parkplatz für eine Rast und liesen die Karawane aus Mountainbiker, Mopedheizern, Cabriogenießern und Autodosentreibern an uns vorbei ziehen.


Für Susanne und mich sind diese kleinen Pausen immer ein Höhepunkt auf unseren Ausflügen. 


Eine kleine Brotzeit, etwas kühles zum Trinken aus der Thermosflasche und am Ende noch ein heißer Milchkaffee mit etwas Zucker. Das bringt den Körper wieder in Schwung.


Natürlich aber auch Zeit für den Geist. Für die kleinen Dinge entlang der Stecke wie unbekannte Blumen, Vögel und sonstiges aus der Natur. 

Dann noch einen Blick auf einen kleinen Wasserfall der in der Nähe plätschert oder einfach auch nur den Blick in die Ferne schweifen lassen.


Aber nach einiger Zeit scharrten dann schon unsere Vespenmädels und murren "Auf'e geht's" - Sprechen Vespen bayerisch? Nein eher italienisch: "In Alto!"


Also alles zusammengepackt und das Joch im Blick. Wir auf gut 1.700 m Höhe und Timmelsjochstraße mit über 2.500 m Höhe, 800 m Kurven-Spass und tolle Landschaft.

Die gut ausgebaute, moderat steile Straße mit Ihren Kehren ist kein Problem. Mehr aufpassen muß man auf die Berg-abwärts, zum Teil rücksichtslos abfahrenden Knie-Schleifer-Mopeds und Radfahrer, im dünnen Trikothemdchen mit 60 und mehr innen in der Kurve ... wie war die Diskussion um Schutzbekleidung für Moped- und Rollerfahrer ...

200 Höhenmeter später ein letzter Blick zurück ins Passeirtal.


Aber noch sind 600 Höhenmeter vor uns. Unsere beiden Mädchen schnurren schön bergauf und genießen die schöne Bergwelt genauso wie wir. Bei gut 2.080 Höhenmeter haben wir schon einige Zeit die Baumgrenze hinter uns und es gibt nur noch schönste Hochalpenlandschaft zum satt sehen.

Panorama von der Passstraße aus, rechts das Passeir-Tal.
Und dann nach weiteren etlichen Kehren war auch schon die Passhöhe in 2.509 m erreicht und man brauchte nur noch einen Parkplatz.


Es war einiges los. Biker, Mountbiker, Autofahrer jeder will sein Gefährt mit dem Schild der Passhöhe ablichten. Rollerfahrer genau so!


Blick vom Timmelsjoch in Richtung Meran nach Süden. Und ganz vorne, gaaaaaanz vorne da ist das Mittelmeer.

Den Rundum-Blick den man hier her oben genießen kann, mega-gigantisch. Unbedingt auf das folgende Panorama klicken und in Groß genießen.

Panorama Timmelsjoch mit Museum

Trotz viel Verkehr, gibt es auch ruhigere Momente wo unsere beiden Vespen alleine den Blick zurück in ihre italienische Heimat genießen, bevor es wieder abwärts in nordische Länder wie Österreich und Deutschland geht.


Bei allen schönen Gefühlen holt uns schnell wieder der schnöde Mamon, sprich die Mautgebühr von € 12 je Roller ein.



Auch hier lohnt sich ein kurzer Halt vor der Station in der Höhe der Baumgrenze und ein Blick in die Ötztaler Alpen.


Oder nach vorne in Richtung Unter- und Obergurgl im Tal unten.


Die Strecke auf der österreichischen Seite ist für viel mehr Verkehr ausgebaut als in Italien, entsprechend zügig kommt man voran, aber die Landschaft ist nicht minder schön. Nach einem genialen Abstecher ins Kühtai ging es über den Zirlerberg zurück nach Deutschland. Von Seefeld weiter nach Wallgau und die Mautstraße nach Vorderriss.


Mit Badelatschen bewaffneten, konnten wir uns sogar in die Isar wagen. Bei geschätzen -5° Wassertemperatur, genau die Abkühlung die wir nach den weit über 30° im Inntal benötigten.


Nach einer Stunde, Wasser plantschen ging es erfrischt nach Hause, eine schnelle Stunde in der ich noch Mal all die Eindrücke aus den Bergen Revue passieren lies.

Tourdaten aus dem Garmin:

Gesamtstrecke: 608,9 km
Schnitt in Bewegung: 55 km/h
Gesamtschnitt: 43 km/h
Gesamtzeit: 14:07 h
Zeit in Bewegung: 11:08 h
Pausenzeit: 02:58

Unser Höhenprofil:


























Wichtige Adressen unserer Reschen -Timmelsjoch Tour


Pension Monika
Mair im Korn Straße 21
39022 Algund bei Meran
Telefon: +39 0473 448 622
Internet: www.pension-monika.it
 
Timmelsjoch - Hochalpenstraße
Internet: www.timmelsjoch.com

Kommentare:

Tempusgolf hat gesagt…

Hi Greatone,

immer wieder Klasse Deine / Eure Berichte zu lesen und daran teilzuhaben. Schade dass die Anreise so lange dauert (aus Mainz) aber evtl. gibt es ja mal eine gemeinsame Bergtour. Ich denke, dass auch andere Forum(s)mitglieder teilnehmen würden.
Alles Gute weiterhin und Allzeit Gute Fahrt!
Tempusgolf
Michael

greatone hat gesagt…

Hallo Tempusgolf!

Ich würde ja sagen, hab' Dich nicht so, Mainz ist auch keine Ewigkeit! ;-)

Nein Spaß bei Seite! Für eine Zwei-Tagestour ist die Anreise von Mainz schon keine Kleinigkeit, ja eher wenig sinnvoll. Und nur Kilometer auf der Autobahn runterreißen, wäre auch nicht Meins!

Aber vielleicht hast Du ja mal Lust auf einen Urlaub in Bayern und nimmst Deine Vespa mit. Dann könnten wir ja was zusammen machen!


Danke für die positive Rückmeldung und das Lob!

Liebe Grüße aus München.

Ewald

Toby O'Donnell hat gesagt…

Die Berge sind einfach unglaublich. Ich und meine Freundin waren im Frühjahr in den Bergen. Ich mochte die Landschaft und saubere Luft in den Bergen. Jetzt wollen wir unser Jubiläum feiern und eine faszinierende Reise machen. Dieser Wille Reise in die Antarktis . Es ist notwendig, sich richtig vorzubereiten. Weil es die schönste Kreuzfahrt in unserem Leben sein wird, freue ich mich auf den Tag, an dem es anfängt.