Montag, 24. Mai 2010

Großglockner - Pfingsttour 2010

Wer in Bayern aufgewachsen ist und wie ich Ende der fünfziger Jahre im vorigen Jahrhundert geboren ist, hat vermutlich ein Großglockner Gefühl mit der Muttermilch gesaugt. Für meine Eltern und viele aus Ihrer Generation war der Großglockner sicher eines der ersten großen Abenteuer welches sie mit der neu gewonnenen Mobilität in Form eines VW-Käfers, eines Fiat 500 oder luxuriös mit einem Mercedes 190D bestehen konnten.

Ich selbst kann mich nicht erinnern als Kind bei einer Fahrt auf die Großglockner Hochalpenstraße dabei gewesen zu sein. Aber irgendwie haben sich Anekdoten bei mir im Gedächtnis gehalten, wie die Wette, dass der Eine im Rückwärtsgang mit einem VW-Käfer schneller die Bergstraße erklimmen kann, als Einer im Porsche. Die Wette wurde natürlich vom Käfer-Fahrer gewonnen, wenn auch unfair, da dieser kurzer Hand das Getriebe umgedreht eingebaut hatte und damit dann 4 Rückwärts- und nur noch einen Vorwärtsgang hatte. Und irgendwie kann ich mich auch ganz nebulös an Aufkleber an Autos erinnern die etwas von der Hochalpenstraße zeigten und die die wagemutigen Chauffeure nach dem Abenteuer stolz auf den Kofferraumdeckel klebten.

Wandfoto in der Hütte auf der Edelweißspitze von 1958 mit freundlicher Genehmigung der Familie Lederer


Bei einem Frühjahrstreffen in Schwaz beim Motorbär kam auf meine Frage, was man denn Berg-mäßig mit einer Vespa machen sollte unter vielen Vorschlägen von den Tiroler Vespafreunden die Antwort: "Ja! Und dann noch ... den Großglockner"

Da war es wieder das Gefühl von: "Abenteuer, Bergstrecke ohne Ende, Eis und Schnee, Murmeltier und Almdudler"

Kürzlich hatte ein Kollege, Johannes aus dem Vespaforum einen Beitrag geschrieben, dass er Anfang Mai ein weiteres Mal den Großglockner befahren hat. Nach unserer kürzlich so schönen 4-Pässe Tour war bei Susanne und mir dann endgültig der Entschluss gefallen: "Wir fahren auf dem Großglockner." Nach einigen Tipps vom Johannes, dass man besten auf der Hütte an der Edelweißspitze in 2.571 m Höhe übernachtet, hatten wir rasch die Fakten für die zwei Tagestour abgesteckt.

  • Tag 1: ca. 200 km Anfahrt von München über Prien nach Zell am See bis zur Edelweißspitze.
  • Tag 2: Ca. 300 km von der Edelweißspitze über die Kaiser-Franz-Josef-Höhe, Heiligenblut, Lienz, Felbertauern, Kitzbühel, Kufstein nach München.


Größere Kartenansicht

Die Route war im Detail mit dem Naviprogramm am Laptop schnell geplant und in den Garmin übertragen, aber das Wetter wollte ja die letzten Wochen nicht. Zum Teil hatte es ja sogar in den letzten Tagen in den Bergen heftig geschneit.

Aber dann vor Pfingsten kündigte sich für Süddeutschland eine Wetterbesserung an. Am Samstag vor Pfingsten konnten wir seit Wochen erst Mals wieder größere blaue Flecken am Himmel und Sonnenschein entdecken. Bei einer kurzen Tour am Samstag wurde der finale Entschluss gefasst: "Morgen geht es auf den Großglockner!" und unsere beiden Mädels vollgetankt in die Garage gestellt.

Nach kurzem Wettercheck am Sonntag Morgen wurde telefonisch noch die Übernachtung auf der Hütte der Edelweißspitze festgemacht. Der Familienbetrieb der Familie Lederer betreibt dort seit vielen Jahren die Hütte und bietet nebst der gastronomischen Versorgung in 2.571 m Höhe auch Zimmer in zwei Kategorien und eine kleine etwas abseits gelegene Blockhütte zum Übernachten an.

Am Telefon wurde ich gleich von einer freundlichen Stimme und "Grüaßt Di" begrüßt und Frau Lederer versprach mir zu versuchen das Blockhüttchen für die Nacht herzurichten, aber in jeden Fall gab es sicher eine Übernachtungsmöglichkeit für uns.

Die Strecke über Glonn, Rott am Inn nach Prien war uns gut bekannt. Die Fahrt vorbei am Megastau auf der A99 auf kleinen Landstraßen durchs hügelige Voralpenland, überall das nur im Frühjahr vorhandene frische helle grün der austreibenden Bäume - einfach ein Genuss. Die Wiesen zum Teil kaum noch mit Löwenzahn und jetzt mit vielen Butter- / Dotterblumen gelb leuchtend, zeigten genauso an, wie manche gemähte Wiesen bzw. Wiesen mit Heu, wie weit doch das Jahr schon fortgeschritten ist. Ja! In drei Wochen, werden die Tage schon wieder kürzer und wir hatten noch keinen Abend draußen auf der Terrasse.

Bestes Wetter, nur vereinzelt mal ein Auto oder ein Moped, wir kamen flott voran. Kurz nach eins waren wir bereits in Prien und hatten schon eine ganze Weile die Berge im Blick. Noch etwas vor Reit im Winkel machten wir dann die erste Rast kurz vor zwei Uhr. In Österreich befuhren wir dann größere Staats- bzw. Landesstraßen die uns zügig, aber nach wie vor trotz Sonn- und Feiertag mit wenig Verkehr nach Zell am See führten. Nach etwas über 170 km und nicht ganz drei und einer halben Stunde suchten wir in Zell am See erst ein Mal ein Jet-Tankstelle auf. Obwohl es sich hier eher um einen Supermarkt mit angeschlossener Tanke handelte, denn das Lebensmittelangebot war beeindruckend. Nicht nur frischer Salat, Gemüse und Obst gab es da, auch bei Fleisch und Wurst war die Auswahl riesig und einige Zeller nutzen das Angebot am Sonntag Nachmittag zum üppigen Einkauf.

Nach gut einer weiteren halben Stunde hatten wir die Mautstation in ungefähr 1.130m Höhe über dem Meer an der Großglockner Hochalpenstraße erreicht. Für € 18 je Roller gewährte man uns Einlass. Mit einigen Broschüren, einem Aufkleber je Fahrzeug ausgestattet und im Besitz eines Tickets, welches für eine neuerliche Fahrt in diesem Jahr für nur € 6 je Fahrzeug berechtigt, startet wir den Aufstieg auf der traditionsreichen Hochalpen Strecke, die heuer 75 Jahre alt wird.

Zügig ging es bergauf und nach etlichen Kehren und 20 Minuten Fahrt hatten wir nach etwas mehr als 6 Kilometer Fahrt die Baumgrenze erreicht und wir machten in 1.827m Höhe einen ersten Fotohalt.

An der Baumgrenze in 1.827m Höhe

Inzwischen hatte der Himmel zugezogen und ein beachtliche Wolkenkulisse rahmte die Hochtauern ein.


Die einzelnen Bäume an der Baumgrenze harrten noch in der Winterruhe und hatten noch keine frischen Triebe.



Ich hatte ja schon gelesen, dass es rund um die Großglocknerstraße viele Murmeltiere geben sollte. Sehen konnten wir keine, aber ihr Warnpfiffe waren deutlich und überall zu hören.

 Man kann und sollte natürlich nicht nur auf die großen Dinge sondern auch auf die kleinen Details schauen.

Und in fast 2.000 m Höhe finden sich entsprechende Kleinode. Die ersten Blümchen streckten bereits ihre Köpfe durch die noch ansonsten verdörrte Wiese. Auch wenn jetzt Ende Mai die Natur in dieser Höhe noch eher einen winterlichen Eindruck macht. Überall merkt man den späten Frühling und kann frisches Grün beobachten und bewundern.

Bergauf gibt es zahlreiche Parkbuchten auf der gut ausgebauten Straße. Verkehrstechnisch ist die Straße in perfekten Zustand. Keine Fallgruben großen Schlaglöcher wie wir aus Städten wie München gewohnt sind und sich zum Teil über Jahre halten.

Wenn man berücksichtigt, dass die Großglockner Straße erst Anfang Mai wieder für den Verkehr freigegeben wurde und vorher unter Meter hohen Schneemassen versunken war, leistet die Betreibergesellschaft einen guten Job. Der Betreiber bemüht sich besonders um Motorradfahrer. Überall werden die Leitplanken so umgebaut, dass man als Zweiradfahrer bei einem Unfall nicht mehr unten durchrutschen kann. Die Straßenoberfläche wird bzw. wurde gegen einen besonders griffigen Belag ausgetauscht.

Auf der Großglockner Hochalpenstraße wurden für Biker kostenfreie Aufbewahrungsmöglichkeiten für Ausrüstung und Unterstellmöglichkeiten für die Fahrzeuge geschaffen, die deutlich mit dem "Biker-Safe"-Schild gekennzeichnet werden.

Die Fahrt zur Edelweißspitze in 2.571 m Höhe durch zahlreiche Kehren und durchgehend sanfte Anstiege gelang uns ohne Schwierigkeiten und bereitete uns fahrtechnisch viel Spaß. Nur das letzte Stück, der Abzweig zur Spitze von 2.400 m Höhe auf über 2.571 m Höhe windet sich in knapp 1,7 km Länge mit 6 Kehren mit Kopfsteinpflaster sehr steil bergauf.

Oben angekommen, gibt es einen großzügige Parkfläche, mit abgesperrten Bereichen für Motorräder, einem Aussichtsturm und eben auch die großzügige Hütte der Familie Lederer.

Blick auf die Edeleweißspitzen-Hütte im Morgengrauen vom Parkplatz aus

Wir wurden äußerst freundlich empfangen und konnten sofort unser besten geheiztes Hüttchen beziehen, kritisch beäugt von einem in der Nähe kurz auftauchenden Murmeltier. Susanne und ich freuten uns schon auf ein Bier und ein kräftiges Essen und wurden nicht enttäuscht.

Sonnenaufgang Parkplatz Edelweißspitze, Blick nach Osten auf den Aussichtsturm

Am nächsten Morgen kurz nach 5 Uhr schälten wir uns aus unserem gemütlich, rustikalen Etagenbett um bei klarem Himmel den Sonnenaufgang zu genießen. Nebst einigen Vögeln waren wir die einzigen die sich dem Naturschauspiel hingaben. Bis zum eigentlichen Sonnenaufgang um 5:24 Uhr war noch ein wenig Zeit, trotzdem bot sich vor unserer Hütte schon eine tolle Aussicht


Um kurz vor halb sechs Uhr stand die Sonne schon so hoch, dass die obersten Gipfel in schönes rosa Licht getaucht wurden. Ein ganz besonderer Anblick, der nur ganz kurze Zeit zu sehen ist.

Panorama vom Aussichtsturm, Blick nach Süden, erste Sonnenstrahlen treffen auf den Großglockner

Nach kurzer Zeit erstrahlten die umliegenden Berge im zarten, rosa Licht des Morgengrauens, welches nur kurze Zeit so zu beobachten ist. Hier gut zu sehen beim Blick nach Süden auf den Großglockner.

Der Großglockner ist ein  scheuer Geselle und versteckt sich wie auch hier hinter seinen Kollegen, nur seine Spitze lugt links etwas hervor.

Mit den aufgestellten Visierhilfen ist es auch ungeübten Beobachtern ohne Probleme möglich den höchsten Berg Österreichs zu finden.

 Auch für ungeübte Berggänger ist es möglich den Großglockner zu finden

Und Zweifel an der Berghöhe des Glockners kommen auch keine auf. Das Hinweisschild am vereisten Halter der Visierhilfe gibt genaue Auskunft .



Von der Plattform des Aussichtsturm auf der Edelweißspitze hat man einen perfekten Rundumblick, auch wenn es zu sehr früher Stunde noch etwas schwer ist die Augen aufzubekommen.


Die klare Luft, der frühe Morgen hat uns fast dramatische Ausblicke ermöglicht und die Bergwelt der hohen Tauern zeigte sich uns in bester und schönster Art und Weise.

Panoramablick nach Südosten vom Parkplatz aus

Beim Blick nach Osten konnten wir problemlos dem Lauf der Straße folgen durch den ersten Tunnel bis zum zweiten Tunnel der uns dann einige Stunden später auf die andere Seite der Bergkette zum Hochtor bringen wird.

 Blick nach Osten in Richtung Hochtor

Nach gut einer Stunde mit intensivsten Eindrücken genossen wir noch einige Minuten die inzwischen doch stark wärmende Sonne, bevor wir uns vor dem Frühstück noch Mal etwas in unsere Betten zurückzogen.


 Nach dem Aufstehen gegen 9 Uhr zeigte sich die ganze Region Hochtauern in strahlendem Sonnenschein, echtes Kaiserwetter.


Blick nach Süden von der Edelweißspitze-Hütte


Aber jeder Blickwinkel bot spektakuläre Eindrücke und Ausblicke.


Und macht natürlich blendende Laune ...


Blick auf das einige hundert Meter unter uns liegende Denkmal am Fuscher Törl für die verunglückten Bauarbeiter die beim Bau der Hochalpenstraße zu Tode gekommen sind. Auf 1.850m Meereshöhe wurde von dem Architekten Clemens Holzbauer ein markantes Denkmal errichtet.

Beim Fuscher Törl wurde vom Erbauer der Straße bewusst diese Bergspitze umfahren, 
um den Besuchern einen perfekten Rundumblick zu bieten.

Nach dem guten Frühstück in der Hütte der Familie Lederer holten wir unsere Schönen aus der Garage und bugsierten sie vorsichtig über den noch eisigen Vorplatz ...

Und die ersten Sonnenbadegäste waren auch schon da!

.... und wir fuhren die 20 Meter von der Hütte zurück auf den Parkplatz der Edelweißspitze, wo sich schon etliche Autofahrer und Motorradfahrer eingefunden hatten.


Unsere beiden Vespen waren natürlich die einzigen Roller weit und breit und erfuhren entsprechend Bewunderungen von allen Seiten.


Wir wollten jetzt auch endlich los und unsere beiden Mädels waren auch schon ganz aufgeregt. Ein Moped Kollege machte noch einen Schnappschuss von uns vier und dann ging es los.



Fünfunddreißig Minuten später nach gut acht Kilometer und etlichen Kurven und Kehren Fahrspaß zwang uns dieses ungewöhnliche Fahrzug zum nächsten Halt.


Dieses blaue Monstrum wurde 1935 mit vier weiteren Modellen angeschafft und nennt sich Rotationspflug.

Alle Maschinen sind noch heute im Einsatz und kämpfen sich Frühjahr für Frühjahr durch zum Teil Dutzende Meter-hohe Schneemassen. Der Rekord auf der Großglockner Straße war 1953 mit 21 m Schneehöhe.

Zwei Pflüge kommen von Süden, zwei kommen vom Norden bis sie sich nach Wochen treffen und die Großglockner Hochalpenstraße im April / Mai wieder befahrbar ist. Die Schneefräsen wurden extra für die Großglocknerstraße konstruiert und tun nun mehr seit 75 Jahren brav ihren Dienst.

Mit einem Eigengewicht von 15.000 kg zählen sie sicherlich nicht zu den Leichtgewichten der am Glockner verwendeten Maschinen.

Schaut irgendwie doch aus wie eine Diesellok mit Raupenantrieb

Man muss sich einfach Zeit nehmen um diese großartige Hochalpenlandschaft auf sich wirken zu lassen. Wir konnten uns gar nicht satt sehen an immer neuen Eindrücken.


Und die klare Luft gestattete jeder Zeit einen weit vorausschauenden Blick auf die nächsten Streckenhöhenpunkte. Hier der Blick auf das Mittertörl, Höhe 2.375 m und den Tunnel der auf einer Höhe von 2.335 m den Felsen durchquert.

Blick auf den Mittertörl-Tunnel.

Obwohl die Schneemassen nicht zu vergleichen sind mit dem Zustand im Winter, sind sowohl unsere Mädels als auch wir beeindruckt was da noch rechts und links der Straße Ende Mai liegt.

In diesem Bereich folgt die heutige Großglockner Hochalpenstraße einem Jahrtausend alten Handelsweg der Kelten und Römer.

Oberhalb des Hochtortunnels hat man ein römisch-keltisches Heiligtum mit bedeutenden Funden ausgegraben, welches zu den höchstgelegenen heiligen Stätten Europas gehört, noch höher gelegen als der Olymp.

Ob keltischer oder römischer Gott, in jedem Fall war die Göttin der Vespa uns wohlgesonnen und belohnte uns am Pfingstmontag mit einem unvergleichlichen Wetter. Ist natürlich auch nicht verwunderlich bei zwei so hübschen Vespalinnen, dass die Göttin sich da gefreut hat.

Angesicht der gerade noch am Straßenrand liegenden Schneehaufen, konnten wir uns leicht die Schneemassen in diesem Winter vorstellen.

Für uns hier kurz vor dem Hochtor Tunnel wieder ein willkommener Anlass für eine weitere kleine Pause zum genießen und zum fotografieren.


Auch bot sich von hier ein phantastischer Blick zurück, zuerst runter zur Rück- bzw. Südseite des Mittertörl Tunnels und dann weiter die Hochalpenstraße bis rauf zur Edelweißspitze. Einfach Genial!


Und dann geht es weiter durch das 2.576 m hohe Hochtor hindurch. Der Hochtor Tunnel liegt auf 2.504 m Höhe und ist etwas über 300 m lang. Ein überwältigendes Erlebnis.

Zuerst durch das gemauerte Tunnelportal in die völlige Finsternis, noch geblendet von der Helligkeit der Schneewelt, braucht man einige Zeit bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.

Nicht ganz ungefährlich und die ersten Meter muss man sehr langsam und vorsichtig zurücklegen.

Man kann sofort das andere Tunnelende sehen und quasi eingerahmt vom Tunnelportal den Ausblick in die Alpenlandschaft mit Berge, Schnee, blauem Himmel.

Je mehr man sich dem Tunnelende nähert um so mehr kann man von der Landschaft am Hochtor sehen. Beeindruckende Augenblicke!


Gänsehautfeeling! Langsam fahren um es zu genießen! Alle die aus dem Tunnel kommen, haben ein breites Grinsen im Gesicht. Und dann ist man schon am Hochtor Parkplatz angekommen! Für einige ein viel zu kurzes Erlebnis, darum machen sie kehrt und machen die Durchfahrt ein weiteres Mal und noch ein Mal und noch ein Mal ...


Das Hochtor mit einer Höhe von 2.504 m gilt als Scheitelpunkt am Großglockner und ist auch die Grenze zwischen den Österreichischen Bundesländern Salzburg im Norden und Kärtnen im Süden.


Tunnelgrinsen auch nach Minuten noch bei uns!

Der Parkplatz ist großzügig und bietet Platz für viele Fahrzeuge und lädt ein die Bergwelt und frische Luft einzusaugen und bei klarster Luft eine unvergessliche Fernsicht zu genießen.


Nach einer wunderschönen Pause geht es bergab, Richtung Großglockner an einer weiteren Schneefräse und anderen Großglockner-Stürmern und Fahrzeugen vorbei.


Es geht ständig Berg ab, bis wir auf gut 1.800m Höhe den Abzweig in Richtung zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe mit 2.369 m Höhe zu nehmen. Immer noch moderater Verkehr und die Strecke und Zeit verfliegt wie im Flug.

Noch 10 km bis zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe und der Glockner schon immer über uns und voraus zu sehen!

Vom Abzweig nach Heiligenblut zum Glockner Parkhaus geht es über 550 Höhenmeter bergauf und immer der Glockner im Blick

Und immer weiter Berg AUF! Rollerherz, was willst Du mehr?


Eine Pause gönnen wir uns aber trotzdem noch um auch hier die Landschaft auf uns wirken zu lassen, aber es zieht uns jetzt schon mächtig rauf und wir sind schon sehr gespannt wie der Gletscher aussehen wird und wie groß der Auftrieb oben sein wird. Zwei Buse hatten wir inzwischen auch schon gesehen.


Trotz etwas üppigerem Verkehrs kommen wir ohne nennenswerte Behinderung auf der Kaiser-Franz-Josef-Höhe an. Wie überall auf der Großgocknerstraße sind auch hier die Mopeds und Roller bevorzugte Gäste, haben Biker-Safes und brauchen ihre Zweiäder nicht ins Parkhaus verfrachten. Die für Mopeds reservierten Flächen stehen in ausreichender Größe und kostenfrei zur Verfügung.


Angesichts der unzähligen Motorräder könnte man fast glauben es an diesem Feiertag eine Motorrad Ausstellung in Gange.

Der Andrang der Leute ist gigantisch. Im Auto, mit Moped, wir die einzigen weit und breit mit Roller, mit Fahrrad oder zu Fuß. Jeder hat irgendwie die Franz-Josef-Höhe auf seine Art und Weise erobert.

Die Logistik funktioniert auch wenn das gigantische Parkhaus hier her passt wie die berühmte Faust auf das Auge. Aber irgendwo müssen ja die Autos hin, auch wenn es architektonisch wenig gefällt.

Ansonsten gibt es alles  was der Tourist braucht oder vielleicht auch besser nicht haben will. Versorgung und Entsorgung ist gewährleistet und Leute ohne Ende. Man kann sich gar nicht vorstellen woher die alle auf ein Mal gekommen sind.

Viele durchaus sehr interessante Schautafeln informieren die Besucher über Gletscher, Alpen, Eis- und Heißzeit und weiter Interessantes.


Viel gibt es zu sehen und erkunden auf der Franz-Josefs-Höhe. 


Und ob es sich hier oben um einen National-Parkplatz oder einen Nationalpark-Platz in 2.369 m Höhe über dem Meer handelt, hat sich mir aus dem Schild nicht erschlossen.



Über all dem Gewusel wacht der Glockner! Was hat er alles schon gesehen? Gletscher die kommen und gehen! Menschen die kommen und gehen? Na ja ich denke die wuseligen Ameisen zu seinen  Füßen gibt es in Zeitaltern von Bergen gedacht nur einen Wimpernschlag lang. Vermutlich hat er uns noch gar nicht bemerkt.


Damit wir uns aber mal erinnern, muss das typische Glocknerfoto her! Auch hier war ein Motorrad Kollege behilflich der uns perfekt vor dem Großglockner ablichtete.

Der Gletscher der sich zu Füßen des Großglockners ins Tal ergießt ist sicherlich ein besonders Naturschauspiel.

Auch wenn man im Gegensatz zu den lärmenden Durcheinander hier oben davon nichts hört. Man muss schon ein wenig innehalten und zuschauen. Dann kann man in den gegenüber liegenden Felsmassiven erkennen wie groß oder besser hoch der Gletscher vor nicht Mal einigen zehntausend Jahren die Felsen abgeschliffen hat und tiefe Furchen hinterlassen hat.

Der tief unter der Franz-Josefs-Höhe liegen Pasterzengletscher hat in den vergangenen nur etwas mehr als 120 Jahren Beobachtungszeit viel seiner Masse und seiner Größe verloren. Aber trotzdem ist noch eine möchtige und beieindruckende Gletscherlandschaft da.

Es gibt zwar eine Stehseilbahn mit der man  hinunter fahren könnte, leider ist sie aber heute nicht in Betrieb. Von der Talstation aus geht man dann immer noch gut 60 Minuten bis man dann man Gletscher angekommen ist. Richtige Ausrüstung vorausgesetzt. Aber heute bei gut 24° in Motorrad Klamotten keine gute Idee für uns Flachland-Tiroler.


Für mich ein sehr beeindruckendes Erlebnis den Gletscher zu betrachten und über die Veränderungen nachzudenken die sich hier in Zehntausenden, Hunderttausenden, Millionen von Jahren abgespielt haben.

Wir Menschen nehmen uns für viel zu wichtig!


Und wenn man lange, lange genug hinunter schaut sieht man auf ein Mal auch ein paar winzige Menschlein am Gletscher kratzen ....


... und erst dann kann ich mir die gewaltigen Dimensionen der Pasterze vorstellen.

Nicht nur die Anzahl der Besucher schwoll kräftig gegen Mittag an, auch die Temperatur in der vollen Sonne konnte man nicht mehr als gemütlich bezeichnen, vielleicht auch da dies für uns eigentlich in 2010 überhaupt der erste wärmere Sommertag war. Nach nicht ganz einer Stunde starten wir zu der ungefähr 280 km langen Rückfahrt nach München kurz nach Mittag.

Zuerst ging es die gut 8 Kilometer zum Abzweig nach Heiligenblut zurück und dann hinunter ins Mölltal.


Das Flüßchen Möll fließt hier fast immer direkt nach Süden.


Wir folgten dem Fluss in einer großartigen Landschaft. Zu unserer Linken der Nationalpark Hohe Tauern und im Talgrund idyllische Früh-Sommer Bergwiesen.


Nach gut 45 Minuten Fahrt lud ein von weitem sichtbarer Wasserfall, der Jungfernsprung zu einem Halt und die dort gelegene Wirtschaft zum Mittagessen ein.

Wie wir in der Gartenwirtschaft der Speisekarte entnehmen konnten, hatte sich einst eine schöne Maid, Jungfrau was sonst, der sämtliche Burschen der Umgebung nachstellen, durch einen beherzten Sprung vor den Nachstellungen des wahrhaftigen Teufels in die Tiefe gerettet.

Und natürlich überlebte die holde Maid den Sprung in die Tiefe und so wurde sowohl Ihre Unschuld als auch Ihr Leben gerettet. Und damit man da immer gut hinfindet hat es einen Wasserfall.

Oder irgendwie so ähnlich und überhaupt, aber in jeden Fall.

Historisches mal bei Seite gelassen, der Zopenitzenbach stürzt sich über einen Felsvorsprung gut 130m in die Tiefe, macht beachtlichen Spektakel und ist in jeden Fall einen Halt wert.


Meine Meinung zu der Wasserfall Geschichte geht ja eher so, das ein Troll auch versuchte in der Gartenwirtschaft seinen Hunger zu stillen und sich deshalb Käs-Spatzen bestellte.

Als er dann nach langer Wartezeit das Gericht serviert bekam, verschwand er traurig und unter großem Wehklagen in den nahen Bergen.

Seit dieser Zeit weint der Troll, ob der schlechten Gastronomie an diesem Ort so heftig und versorgt mit seinen Tränenflus den Wasserfall.

Ein Zeichen zur Warnung für all die hungrigen Wanderer und Touristen diesen Ort zu meiden und zur Mahnung für die Gastronomie dieses Platzes.


Trotz des schlechten Ausgangs der Geschichte sind wir nett und schattig gesessen. Wir haben uns mit anderen Motorradfahrern gut unterhalten und konnten für die weitere Fahrt noch ein wenig ausspannen.

Und bewundernde Blicke und Anerkennung für: "Mit der Vespa über'n Glockner?" gefällt natürlich immer der eigenen Seele.

In alle Wiesen ringsrum blühten über und über üppig Löwenzahn. Eine Blume die ich besonders gerne mag und wie ich finde auch immer gut für ein schönes Foto ist.


Wir folgten weiter dem Mölltal südwärts immer abwärts bis wir dann bei dem Städtchen Winklern von unter 900 Höhenmetern in knapp 6 km Strecke neuerlich 300 Höhenmeter aufwärts über einen Bergrücken fuhren  und dann mit diesem Blick auf die Lienzer Dolomiten belohnt zu werden.


Es ist echt beeindruckend, wenn man bergauf, durch den Wald , dann noch eine Kurve und plötzlich dieser Ausblick! Wwwwooooohhhhhhh - Augenblicke!

Kurz vor Lienz in Osttirol, Blick auf die Lienzer Dolomiten.

Lienz ein kleines Städtchen mit knapp 12.000 Einwohner war am Pfingst-Montag Nachmittag so gut wie ausgestorben. Wir kamen hier zum ersten Mal bei über 30° Sommerwetter ins Schwitzen und machten jetzt endgültig die Ventialtionsreißverschlüsse unserer Jacken auf. Lienz war der südlichste Punkt unserer Tour und es ging jetzt nach Norden, in Richtung Felbertauerntunnel.

Rastplatz kurz vor dem Felbertauerntunnel.

Obwohl der Tunnel mit der Felberntauernstraße eine wichtige Reiseroute ist, hatten wir wieder mal so gut wie keinen Verkehr und genossen die ungestörte Fahrt durch die Hohen Tauern.

Der im Jahr 1967 fertiggestellte Felbertauerntunnel befindet sich in einer Seehöhe von 1.632 bis 1.650 m. Mit seiner Länge von etwas über 5.300 Meter ist er der elft-längste Tunnel von Österreich und verbindet die Bundesländer Tirol und Salzburg.

Je eine Rampe mit gut 15 km Länge führt zum Tunnel von Süden bzw. von Norden kommend hinauf zum Tunnel. Die Straße ist durchwegs in sehr gutem Zustand und über sehr weite Strecken drei-spurig ausgebaut. Maut zahlt man nur für den Tunnel. Für unsere Roller haben wir € 8 je Fahrzeug für die einfache Fahrt bezahlt. ADAC Mitglieder können ein Ticket für Hin- und Rückfahrt beim ADAC vorab für € 14,50 bestellen.

Im Internet kann man sich gut über Störungen, Tarife und ähnliches gut auf der Internetseite der Felbertauernstraße informieren: www.felbertauernstrasse.at

Auf der Nordseite ab Mittersil in Richtung Kitzbühel hatten wir dann deutlich mehr Verkehr. Hinter Kitzbühel hatten wir bereits einen gigantischen Blick auf den Wilden Kaiser. Kurz vor Sankt Johann in Tirol nahmen wir bei einer Abkürzung durch ein lauschiges Wäldchen, abseits der Hauptverkehrsstraße die Gelgenheit wahr und machten noch Mal ein kleines Päuschen.

Abseits von Sankt Johann in Tirol, Pause im Wald

Kurz vor Kufstein nutzen wir noch Mal die billigen Benzinpreise in Österreich und tankten unsere beiden Mädels voll. Beide war mit einem Verbrauch von unter 3 Liter wieder sehr sparsam. Von Kufstein aus, ging es dann über Bayerisch Zell, Miesbach in Richtung München. Je mehr wir uns München näherten um so dichter wurde auch der Verkehr. In Elbach, ein Stück vor Miesbach erfrischten wir uns bei einem alkoholfreiem Weißbier und liesen uns dann vom Verkehr mitziehen nach Hause.

 Dorfkirche von Elbach, gleich gegenüber von dem netten und schattigen Biergarten

Nach nicht ganz 9 Stunden Fahrt mit vielen Pausen kamen wir kurz nach 19 Uhr abends zu Hause sicher an.

Die gesamte Strecke waren exakt 500 km. Am Sonntag von München zum Großglockner war es 207 km und am Montag zurück über Lienz 293 km. Ein toller Ausflug mit vielen Höhepunkten!

Tourdaten aus dem Garmin:

Gesamtstrecke: 501,7 km
Schnitt in Bewegung: 58 km/h
Gesamtschnitt: 43 km/h
Gesamtzeit: 11:38 h
Zeit in Bewegung: 08:43 h
Pausenzeit: 02:55

Unser Höhenprofil:


Wichtige Adressen unser Großglockner Tour:

Edelweißhütte - Familie Lederer
A-5672 Fusch
Telefon: 0043 / 65 45 / 7425
Internet:  www.edelweissspitze.at
Email:  edelweissspitze@aon.at

Großglockner Hochalpenstraße
Internet: www.grossglocknerstrasse.at

Felbertauernstraße
Internet: www.felbertauernstrasse.at

1 Kommentar:

Cheffe hat gesagt…

Hallo Ihr beiden,

wir von der Zeitschrift ALPENTOURER würden Euren Beitrag zum Großglockner gerne veröffentlichen. Leider finde ich keine Kontaktdaten. Interesse? Dann bitte umgehend melden bei fennel@alpentourer.eu per Mail. Es eilt! Soll noch ins nächste Heft…

Beste Grüße
Stephan Fennel
Herausgeber & Chefredakteur