Donnerstag, 8. April 2010

Neuschwanstein

Auf den Spuren von König Ludwig II haben wir uns letzten Samstag begeben. Bei viel Sonnenschein aber doch noch kühlen Temperaturen sind wir am Vormittag gestartet. 

Ziel: Neuschwanstein mit der Option am zweiten Tag nach der Winterpause vielleicht einen Besichtigungstermin zu ergattern.

Im Internet auf der Schloss Webseite Neuschwanstein kann man zwar Eintrittskarten bestellen, aber man muss es mindestens einen Tag vorher machen. Da waren wir dann in der Samstag Nacht um 1 Uhr früh bei unserem Spontan-Entschluss zu spät dran.

Unabhängig davon machte ich mich noch Nachts auf ein wenig den Spuren unseres bayerischen Märchenkönigs zu folgen.

Unser unter ungeklärten und sehr mysteriösen Umständen umgekommener Monarch war Wagner Liebhaber und ging sehr großzügig mit Geldern um und war eigentlich Zeit seines Lebens pleite.

Alleine der Schlossbau hat nach heutigem Geldwert über 100 Millionen Euro verschlungen. Ein mächtiges Sümmchen für eine Ferienwohnung in Alpen.


Der König war aber nicht nur sehr kunstliebend sondern auch sehr der neuesten Technik aufgeschlossen. So gabes im Schloss (Baubeginn 1868) einen Telefonanschluss, eine elektrische Rufanlage zum Herbeirufen des Personals und in allen Geschossen stand fließendes Wasser zur Verfügung, in der Küche sogar kalt und warm.

Vielleicht konnten und wollten die Zeitgenossen seine Eskapaden, zum Beispiel er fuhr zu nächtlicher Stunde verkleidet im historischen Gewändern in Schlitten um den Alpsee, einfach nicht mehr hinnehmen oder man hatte Angst, dass er auf Grund seines immensen Kapitalbedarfs das Königreich bis auf den letzten Heller verpfänden würde.

Staatsstreich?

König Ludwig II. wurde auf Betreiben der bayerischen Staatsregierung am 8. Juni 1886 für seelengestört und unheilbar krank erklärt, durch Ärzte "per Ferndiagnose" die König Ludwig  weder persönlich gesprochen noch ihn überhaupt ein Mal persönlich gesehen hatten.

Am 9. Juni wurde er von der Regierung entmündigt und sollte am 10. Juni durch eine Kommission im Schloß Neuschwanstein verhaftet werden. Dies scheiterte jedoch, da die gesamte Kommission selbst verhaftet wurde. In der Nacht vom 11. zum 12. Juni erschien eine neue Kommission die dieses Mal den König im Schloss gefangen nahm, ihn nach Schloss Berg am Würmsee (heute Starnbergersee) verbachte.


Am 13. Juni gegen 18.30 Uhr brach Ludwig in Begleitung seines ärztlichen Betreuers Professor von Gudden zu einem Spaziergang im Schlosspark auf. Der Schlosspark ist direkt an den Ufer des Sees.

Kurze Zeit später fand man beide tot im See treibend. Die Todesumstände wurden nie geklärt.


Unsere Route.
Mit Garmin wurde die Route geplant von Neubiberg über Wolfratshausen durch das Loisach Tal, am Südufer des Starnberger Sees entlang über Peißenberg in Richtung Füssen nach Neuschwangau.


Größere Kartenansicht

Am Morgen scharrten unsere beiden italienischen Vollblüter bereits ganz aufgeregt mit den Hufen, da wir ihnen eigentlich einen großen Ausritt in ihre Heimat nach Norditalien versprochen hatten. Eine Brotzeit und heißer Tee für unterwegs wurden auch noch eingepackt und es ging bei strahlendem Frühlingswetter los. Nach gut 90 Minuten fanden wir einen ersten schönen Rastplatz.


Die bayerische Voralpenlandschaft zeigt sich schon frühlingshaften Grün, überall war schon aufgeregtes Vogelgezwittscher zu hören und mancher große Greifvogel zog schon hoch droben im weißblauen Himmel seine Bahnen. Unsere Fahrt ging vorbei an vielen, vielen kleinen für diese Landschaft so typischen Kapellen und Kirchen.



Näher in den Bergen erkannten wir, dass doch wieder viel Schnee gefallen war und es sicherlich eine gute Entscheidung war unsere Tour über den Jaufenpass verschoben zu haben.


Trotz des Oster-Wochenendes hielt sich der Verkehr in Grenzen und wir konnten die ersten Frühlingstage im Alpenvorland richtig genießen.


Nach gut zwei und einer halben Stunde Fahrt tauchte dann das Schloss Neuschwanstein in den Bergen auf.


Allerdings war der Auftrieb in Neuschwangau bereits riesig. Neuschwangau ist der Ort wo man die Eintrittskarten kaufen muss und sein Fahrzeug abstellt um sich auf den etwa dreißig Minuten langen Spazierweg zum Schloss macht. Es gibt auch eine Busverbindung zum Schloss. Die Menschenmassen ließen uns aber schnell unseren Plan ändern und wir beschlossen unsere Route Richtung Füssen ohne Aufenthalt fortzusetzen.

Füssen ist ein nettes Städtchen am Lech welches wir mit Blick zur historischen Altstadt umrundeten um dann an den Niagarafällen des Allgäus, dem Lechfall Pause zu machen.


Bereits von der Straße aus, an der wir sofort einen Parkplatz für unsere beiden Vespen fanden, konnten wir das Rauschen des Wasserfalls hören.

Eine kleine Brücke, der König Max Steg überquert den Lech an dieser Stelle und erlaubt einen guten Blick auf das Naturschauspiel.

Eine Bronzetafel an einem Felsen datiert den Steg auf 1895 und schon im 19. Jahrhundert war Sponsoring üblich, wie die Tafel kund tut.



Die sich an den sieben Meter tiefen Wasserfall anschließende Klamm ist im gesamten bayerischen Alpenraum die einzige Schlucht die ein großer Alpenfluss noch frei und ungehindert fließen kann.


Nach einer ausgiebigen Pause auf einem sonnigen Bänkchen setzen wir die geplante Route fort. Zuerst ging es ein gutes Stück durch Österreich in Richtung Plansee.


Der See war noch komplett zugefroren und uns holte bei Höhenlagen von über 1.100 m doch wieder der Winter ein. Aber die völlig einsame Uferstraße mit viel Vespa geeigneten Kurven entschädigte für die etwas kühleren Temperaturen.



Der weitere Weg führte uns dann vorbei an Schloss Linderhof, auch ein Wochendhaus von unserem König Ludwig II, über das Dorf Ettal mit dem bekannten Kloster Ettal.


Weiter fuhren wir durch das Städtchen Kochel mit den weithin sichtbaren Rohren des Walchen-/Kochelsee Kraftwerk, dem 1924 in Betrieb gegangenen Wasserkraftwerks, über Benediktbeuren mit seinem Kloster nach Bad Tölz und weiter über Holzkirchen nach Hause.

Mit gut 290 km Länge die längste Vespatour, die wir bisher gemacht haben. Ein sehr schöner Ausflug, mit wenig Verkehr, einer sehr gelungenen Strecke und viel schöner Landschaft. Rollerherz was willst du mehr!

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