Sonntag, 18. April 2010

4 Pässe Tour: Achenpass - Brenner - Jaufenpass - Gampenpass

Seit Wochen sprechen Susanne und ich davon unsere ersten Alpenpässe auf der Vespa zu überqueren. In Bayern und im Voralpenland aufgewachsen war uns natürlich schon bewusst, dass um diese frühe Zeit im Jahr nur wenige Pässe überhaupt befahrbar sind. Nach kurzer Recherche im Internet war klar, der einzige zur Zeit interessante und geöffnete Pass, ist der Jaufenpass. Mit einer immerhin 2.094 m über dem Meer gelegenen Passhöhe ein durchaus attraktives Ziel.

Schnell waren die Eckdaten abgesteckt: eine zwei-Tagestour mit Übernachtung in Südtirol, Anreise über den Tegernsee und Achenpass (941 m) durchs Inntal über den Brenner (1.374 m) dann in Italien über Sterzing zum Jaufenpass (2.094 m) und runter nach Südtirol und einem Schlenker von Lana aus über den Gampenpass (1.518 m).


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Dann mussten wir noch ein Wochenende finden, wo der Wetterbericht eine halbwegs annehmbare Wetterlage versprach. Aber weder an Ostern, noch das Wochenende danach kamen in Frage. Schneefälle in den Bergen und trübes, kaltes Wetter versprachen uns keine schöne Tour. Aber am 17. April gingen wir unsere erste große Alpentour über vier Pässe an.

Bei schönem, wenn auch leicht trüben Wetter ging es über den Tegernsee in Richtung Achenpass und Achensee.

Tegernsee, Blick nach Süden auf das Mangfallgebirge

Der Achenpass mit nicht ganz 1.000 m über dem Meer war dabei noch der niedrigste der geplanten vier Pässe und strengte weder uns, noch unsere Vespen an. Beide Italienerinnen waren schon ganz aufgeregt, dass sie bald wieder in Ihrer Heimat sein sollten.

Nach nicht ganz zwei Stunden und einer kleinen Rast am südlichen Ende des Achensees ging es steil hinab ins Inntal.

Das Inntal zeigte sich schon in frühlingshafter Stimmung, mit viel frischem Grün und auch schon mit üppig blühenden Kirschbäumen.

Wir konnten die Fahrt den Inn flussaufwärts in Richtung Innsbruck sehr genießen, das laue Lüftchen, der wenige Verkehr. Bis hierher eine sehr schöne Tour durch das sonnige Tirol mit vielen und schönen Eindrücken.



Dem Inn Flussaufwärts folgten wir in Richtung Westen bis wir bei Volders an der Karlskirche, (gebaut von 1620 bis 1654) das Inntal verliesen und uns auf in die Berge machten.

Karlskirche bei Volders auf unserer Route in Richtung Wipptal, Brenner

Nach einigen Höhenmetern folgten wir dem Wipptal auf der östlichen Seite in Richtung Brenner um dann bei Matrei die übliche Brennerstraße zu treffen. Eine gut gewählte Strecke mit ganz wenig Verkehr die idyllisch gelegen uns schön von der Mittagssonne beschienen auch eine angenehme Wärme und echte Frühlingslauune bereitete.

Bereits beträchtlich an Höhenmetern gewonnen, gestattet diese Strecke auch einen guten Blick auf die zum Teil mit großen Brücken gebaute Brennerautobahn, die auf der westlichen Seite des Wipptals spektakulär in der Landschaft steht. In Matrei gönnten wir unseren Mädchen günstigen Österreichischen Sprit.

Die Brennerautobahn folgt dem unteren Wipptal meist auf der westlichen Seite aufwärts in Richtung Brenner

Erst wenn man unter der Brennerautobahn fährt, kann man die Dimensionen der vielen Autobahnbrücken wahrnehmen und erahnen welch bautechnischer Aufwand mit dieser wichtigsten Verkehrsader zwischen Nord- und Südeuropa verbunden war.

So viel Verkehr auch auf der Brenner Autobahn in der heutigen Zeit fließt, wenn man auf der Brenner Staatsstraße durch die Städte und Dörfer des unteren Wipptals, entlang an dem Flüsschen Sill, südwärts zum Brenner fährt, sieht man laufend geschlossene und auch manchmal verfallende Geschäfte, Gasthöfe und Hotels. Diese erzählen von dem einst sicherlich prosperierenden Leben auf der Brenner Staatsstraße. Jetzt aber liegen sie brach und verströmen einen zum Teil morbiden Charme, der irgendwie gar nicht zu dem ewig tosenden Verkehrsstrom oben auf der Autobahn passen mag.

Blick nach Süden in Richtung Brenner

Am Brenner selbst versucht man auf der italienischen Seite mit einem riesigen Einkaufszentrum Leben, Verkehr und Wirtschaft zu befördern. Ob dies gelingt und ob es sinnvoll ist mit Gewalt Leben in das ursprünglich kleine Dörfchen oben auf fast 1.400 m Höhe zu zaubern, ich weiß nicht. Man muss ja nicht alles machen, was sich Marketing Strategen so ausdenken ....

Wir waren jedenfalls froh, bald dem Verkehrsgewusel im Brennerort entwischt zu sein und genossen die schöne, kurvenreiche Straße abwärts in Richtung Sterzing durch das obere Wipptal (ital. Alta Val Isarco) nach Süden. Nach gut 30 Minuten Fahrtzeit erreichten wir Sterzing, das Städtchen das wohl jeder Brenner-Autobahnfahrer kennt, wegen der riesigen Mautstation, wo in Hochzeiten des Reiseverkehrs an gut 30 Spuren der Verkehr abkassiert wird.

Von Sterzing ging es dann wieder bergauf in Richtung Jaufenpass-Höhe. Der Jaufenpass ist die kürzeste Verbindung zwischen Meran (325 m) und Sterzing (948 m). Die 39 km lange von Sterzing nach St. Leonhard in Passeier, landschaftlich abwechslungsreich über die Passhöhe verbindet das Passeiertal mit dem Eisacktal. Interessante touristische Informationen und einen eigenen Wetterbericht über den Pass findet man in der zugehörigen Webseite www.jaufenpass.eu.

Viele Funde aus der Steinzeit und später aus der Bronzezeit belegen, dass diese Route schon seit Menschengedenken genutzt wurde. Ein erster Ausbau des Wegs durch die Römer wird auf 200 n.C. datiert. Die heutige Straße wurde erst kurz vor dem 1. Weltkrieg begonnen. Bis zu diesem Zeitpunkt nutzte man den sehr steilen und etwas westlicher gelegenen Saumweg.

Auch hier so gut wie kein Verkehr. Immer wieder konnten wir großartige Ausblicke in die Bergwelt genießen.

Jaufenpass nördliche Strecke mit phantastischen Ausblicken

Nach etlichen Kehren und viel schöner Strecke hatten wir bald die Baumgrenze überschritten.

Blick in die Stubaier Alpen

Aber noch lagen einige Kilometer vor uns und unsere Vespen schnurrten ohne Murren und ohne Probleme in ihrer italienischen Heimat die manchmal auch steile Bergstraße aufwärts.


Natürlich lag noch einiger Schnee rechts und links der Straße und wir waren schon sehr gespannt wieviel Schnee oben auf der Passhöhe sein wird.


Und mit der Erwartung, dass der Schnee noch Meter hoch liegen wird waren wir nicht so verkehrt.


Direkt nach der Passhöhe lud ein Holzhäuschen uns zu einer Kaffeepause ein und auf dem Parkplatz davor durften unsere Vespen erst Mal verschnaufen und die schöne Aussicht genießen.

Blick in die Sarntaler Alpen

Gut, dass wenigstens die Vorderseite der Hütte schneefrei geräumt war, denn den seitlichen Eingang wird man noch einige Zeit nicht benützen können.



Wir freuten uns an der hellen Gaststube in der ein großer Kachelofen angenehme Wärme verströmte. Der freundliche Wirte begrüßte uns mit dem freundlichen Tonfall der Tiroler: "Grüssts Eich" und schenkte uns einen guten heißen Kaffee aus.


Die Wahl zwischen dem Apfelstrudel und dem Erdbeerkuchen fiel uns schwer. Aber da Erdbeeren um diese Jahreszeit besser zum Frühjahr passen als Äpfel entschieden wir uns für den Erdbeerkuchen.

Der Wirt säbelte uns zwei riesige Teile von dem hausgemachten Kuchen ab, der nicht nur üppig sondern auch ausgesprochen gut war. Der Kaffee dazu schmeckte uns so gut, so dass wir eine zweite Tasse bestellten.

Später erfuhren wir noch von einer Kollegin aus dem Vespaforum, dass auch der Apfelstrudel dort oben legendären Ruf genießt. Wahrlich nicht der einzige Grund wieder zu kommen.


Der Hüttenwirt stolz über unser Lob über Kaffee und Kuchen wünschte uns dann noch: "A Pfüati und a guate Fahrt". Ein schönes Gipfelerlebnis!

Gut gestärkt und Koffein-gepuscht musste dann noch ein gemeinsames Foto her von uns vier Gipfelstürmern, bevor wir uns abwärts in Richtung Süden nach Meran aufmachten.


Auch auf der südlichen Seite des Jaufenpasses konnten wir uns nicht satt sehen an der opulenten Bergwelt.



Die Temperaturen kletterten bei unserer Fahrt in Richtung Meran wieder deutlich um so näher wir dem Urlaubs- und Kurzentrum in Südtirol kamen. Aber nicht nur die fast 20° Temperatur freute uns sondern die Spät-Nachmittagssonne schien sehr schön und die Palmen in den Parks und Gärten von Meran ließen echtes Südtirol und südliches Urlaubsfeeling aufkommen.

Wir hatten noch ein gutes Stück von Meran über Lana, den Gampenpass empor zu unserem "Gasthof zum Hirschen" im Dorf mit dem Namen "Unsere Liebe Frau im Walde" (ital. "Albergo al Cervo a Madonna di Senale"), den wir uns zur Übernachtung ausgesucht hatten. Deshalb machten wir erst noch Mal kurz Pause um die letzten zwanzig Kilometer gestärkt anzugehen.



Und nach gut 270 km und fast 7 und einer halben Stunde Fahrt waren nicht nur wir froh unsere Reifen, respektive Füße mal ausruhen zu dürfen. Auch meldeten unsere Bluetooth Helmfunkmodule schon geraume Zeit mit Beep-Tönen ihren Stromhunger, der dann bald über Nacht an der Steckdose im Topcase gestillt wurde.


Der Gasthof zum Hirschen liegt in dem Dörfchen "Unsere Liebe Frau im Walde" oder auf italienisch "
"Madonna di Senale" oder kurz "Senale" ein Wallfahrtsort ist auf 1.360 m Höhe idyllisch mit in einem Waldgebiet liegt. Der nette Familienbetrieb bietet preiswerte Zimmer mit guten Betten, großem Fernseher und kostenfreien W-Lan Hotspot an. Wir haben sehr gut gegessen und sind sehr freundlich und höflich bedient worden. Für Biker gibt es einen großen überdachten Stellplatz "For bikers only". Ein wirklich empfehlenswertes Gasthaus zum Relaxen, Übernachten und Speisen. Die Webseite des Gasthofs www.zumhirschen.com ist gut gemacht und wird laufend mit aktuellen Angeboten aktualisiert.

Am nächsten Morgen war das schöne Wetter verschwunden und es regnete. Weiter oben in den Bergen sah man frischen Schnee liegen. Na das war kein toller Start für den Sonntag Morgen. Nach dem guten Frühstück, machten wir uns bei leichten Regen auf zurück auf den Gampenpass in Richtung München.


Dort auf über 1.500 m Höhe hatten wir dann Graupelschauer bei 2°, immerhin Plus und Susannes Pinlock Visier beschlug ständig. Daher mussten wir erst mal anhalten und herausfinden woran dies wohl liegen könnte. Nach einiger Zeit im Graupel-/Schneeregen stellten wir fest dass das eigentliche Pinlock Visier verrutscht war und nicht mehr dicht am eigentlichen Visier anlag und deshalb Susannes Helm fast ständig blind wurde.


Den ursprünglichen Plan, den Jaufenpass in Richtung Sterzing zu fahren, hatten wir in jedem Fall schon aufgegeben, denn höher als am Gampenpass konnte das Wetter nur noch schlechter werden. Für tiefere Regionen hatten wir jedoch die Hoffnung auf etwas besseres Wetter. Und tatsächlich, je weiter wir uns dem Etschtal näherten und tiefere Regionen erreichten um so mehr klarte es auf.


Auch wenn der Blick in Richtung Bozen mehr Regen als Sonnenschein verhieß.



Die Fahrt durchs Etschtal in Richtung Bozen war dann wettermäßig viel schöner als noch oben in den Bergen gedacht. Auf der weiteren Rückfahrt durchs Eisacktal über Sterzing, Brennerpass, Innsbruck Zirler Berg, Walchensee, Kochelsee wechselte das Wetter alle 25 Kilometer. Sonne - Wind - Regen und wieder von vorne.

Die Brennerstraße auf der italienischen Seite ist sehr schön zu fahren und sehr abwechslungsreich. Weite Strecken sind sehr gut, fast Rennstrecken mäßig ausgebaut, andere Teile schlängeln sich eher idyllisch durch die Landschaft. Fast ohne Verkehr konnten wir die Strecke wirklich genießen, während auf der Brnnerautobahn immer wieder Mal lange Staus zu sehen waren. Nach einem kurzen Espresso Stop in Brixen erreichten unsere durstigen Mädchen bald wieder billiges Benzinland, Österreich.

Allerdings ließen wir nach Matrei die, wie sich später herausstellte weit und breit günstigsten zwei BP Tanken rechts liegen und tankten dann später in Innsbruck. Etwas über 8 Liter bekam ich da in mein Mädchen. Bei einem Schnitt von 2,8 l auf 100 km über fast 290 km Strecke, kann ich Carla meine Rote nicht wirklich schimpfen.

Vor Innsbruck suchten wir uns erst noch etwas Abseits von der eigentlichen Brennerstraße einen ruhigen idyllischen Rastplatz.


In Innsbruck hatten wir noch richtig schönes Wetter und sind glücklicherweise nicht wie vom Garmin vorgeschlagen direkt von der Leopoldstraße nach Links in die Olympiastraße abgebogen.

Innsbruck: Blick von der Innbrücke in die Altstadt

Ein entsprechendes Verkehrszeichen bot uns nur die Möglichkeit geradeaus oder rechts zu fahren. Wir fuhren ganz gehorsam und brav geradeaus, einen U-Turn und dann rechts in die ursprünglich vorgesehene Olympiastraße, vorbei an einer größeren Anzahl Motorradfahrer und Blechdosen die dort noch auf das Abkassieren durch die örtliche Polizei warten mussten und dazu auf einen Parkplatz heraus gewunken wurden.

Am Zirlerberg fing es dann echt böse an zu regnen, aber Dank Goretex blieb alles trocken, wenn auch die Temperatur dann doch wieder empfindlich kalt wurde. Im Laufe der Strecke wurde in Deutschland das Wetter wieder besser. Am Walchensee über den Kesselberg, 6 km mit Tempobegrenzung 60 km/h und absolutem Überholverbot und einer 6 km langen weißen Linie tuckerten wir mit gemächlichen dreißig die schöne Bergstrecke einem Audi-Opa hinterher.

Man kann nicht alles haben!

Kurz nach Kochel noch Mal ein Halt und eine Verschnaufpause für Piloten uns Maschinen

Über Benediktbeuren, Holzkirchen, Dietramszell ging es dann wieder nach Hause.

Insgesamt sind wir in zwei Tagen 570 km gefahren und haben dabei sieben Pässe überquert. Für eine erste Alpenfahrt mit unseren Vespas ist das doch sehr anständig.



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